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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 6 · p. Seite 279

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 6
Article
Zur Halachakritik
Date
1874-01-01
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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Gemara zur babylonischen. 279 fenstrieb immer von Neuem an, und während er sich vom Stand« punkte der palästinensischen Mischna entfernte, näherte er sich in gewisser Weise dem biblischen Standpunkte. In diesenr Sinne können wir sagen, daß es derselbe jüdische Geist war, der in Babylonien wie in Palästina thälig war, das Leben nämlich in all seinen tausendfältigen Nnancen von religiösem Geiste durchdringen zu lassen. Wem dieser Gang der Halacha von dem nvlywendig gesetzten Widerspruche sich zu befreien, sonderbar scheinen mag, den verweisen wir ouf die Geschichte der Menschheit tnid die Geschichte der Wissenschaften insbesondere. Auch da sehen ivir, wie die Geschichte Widersprüche erzeugt, ans denen der meitschliche Geist allmälig sich befreit. Die Scholastiker glaubten sich Eins mit Aristoteles, obwohl der Widerspruch des Heidnischen Gottesbegriffes mit dem mehr geläuterten der Scholastiker, insoferne er auf biblischem Grunde ruht, klaffend ist. Andererseits wareit die Scholastiker schlechtere Logiker als Aristoteles. Wir können die Scholastik mit denr Pilpul vergleichen, aber beide waren eine geschichtliche Nothwendigkeit. Wir können weiter gehen und uns auf die philosophischen Systeme berufen, die alle zun! Ziele haben, den vorhandenen Wiederspruch zwischen Sein und Denken zu lösen. Während die Idealisten in vielfache Widerspräche mit der Welt der Wirklichkeit sich verstricken, gelingt es den Realisten nicht, die Idealwelt sich zu erklären. Aber dennoch bezeichnet jedes philosophische neue System einen Fortschritt, verdankt man ihm neue Wahrheiten, welche sich auf die Folgezeit vererben. Spinoza mar gewiß ein riesenartiger Denker — das bestreite jetzt Niemand. Sein System wird als ein Muster von Consequenz gepriesen. Und dennoch führt dasselbe zu einer Unzahl von Widersprüchen mit der Welt der Beobachtung. *) Wir wollen damit nur sagen, daß, wenn der Pilpul des Babli verschrieen wird, er auf andern Gebieten seine Vor- und Nachbil- ') vgl. die Erläuterungen von Kirchinann zu Spinoza's Ethik besonders in» 3. Theile, wo seine Sätze durch die Erfahrung controlirt werden können.

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