Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 6 · p. Seite 278

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 6
Article
Zur Halachakritik
Date
1874-01-01
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829444-2829451-2867996--15543-2868043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

278 Verhältniß der Tosifta zur Mischna und der jerusalemischen Nach diesem angegebenen Verhältnisse der halachischen Quellen zu einander folgt auch niit Nothwendigkeit der verschiedene Charakter derselben. Jeruschalmi erweist sich einfacher und logischer als Babli. In Palästina lebte mau in den Vorstellungen ltnb Begriffen, aus denen die Mischna — Tosifta — entsprungen war. Die Erklärungen des Jeruschalmi sind den Worten und dem Sinne der urspr. Mischna entsprechend. Der Jeruschalmi ist der authentische Interpret der Tosifta. Babli hat den neuen Codex, unsere — die babylonische — Mischna mit den alten palästinensischenQuellen auszugleichenversucht, und wenn er auch letztere emendirt und einen anderen Sinn hineingelegt hat, um diesen Zweck zu erreichen, so offenbarte sich der von Haus aus zwischen beiden vorhandene Widerspruch immer von Neuem. So war von Anfang an die babylonische Gemara auf den Pilpul d. i. die Ausgleichung wirklich vorhandener Widersprüche gewiesen, die in der Folgezeit nur immer mehr an den Tag kamen, da jede Ausgleichung einen neuen Widerspruch zur Folge hatte, sie so hydraköpfig wuchsen. Als geschichtliche Erscheinung giebt uns der Babli die Lehre, daß ein wirklicher Widerspruch durch alle Kunst der Dialektik nicht verschwindet. Aber dennoch kann man sagen, bedeutet der babylonische Talmud einen Fortschritt, indem er durch die angestrengteste Geistesarbeit ein unlösbares Problem zu lösen doch durch allseitige Beleuchtung jeder Materie neue Wahrheiten zu Tage förderte, die aus der Masse herausgeschält brauchbare Gedanken für die richtige Erfassung der betreffenden Materie enthalten. Das Problem, das die Geschichte stellte, hielt die Regsamkeit des jüdischen Geistes wach, spornte den Schaf- Lesart, die Abweichung in Babli ist Emendation. Sind Tosifta und Jeruschalmi nicht in Congruenz, so ist in einem von beiden Abschreibefehler oder Verschlimmbesserung. Wir können nicht das Zeugnis; des Babli verbinden mit einen! derselben und den zweien mehr Glauben schenken als dem einen, weil die zwei Zeugen auf einen zurückzuführen sind. Natürlich können auch Ausnahmen Vorkommen. Eine genaue Analysis der Materie läßt uns das Richtige stets finden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.