Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 1)
- Language
- German
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Verhältniß der Tosifta znr Mischna und der jerusalemischen 277 GeriMniß der Tosifta zur Mischna und der jerujalemischen Hemara zur babylonischen. Zugleich siebenter Artikel zur Halachakritik. lFortsetzung.) Daß der Jeruschalmi in entstellter Gestalt uns vorliegt, darüber sind Alle einig, welche mit demselben sich befaßten. Diese Verunstaltung aber auf Rechnung der Abschreiber zu setzen, ist nicht richtig. Wir haben an der Tosifa ein Beispiel, daß dieses Werk, weil wenig beachtet und dem Verständniß nicht leicht zugänglich, im Ganzen in unversehrter Gestalt auf uns gekommen ist. Hingegen ergiebt sich die Umgestaltung des Textes des Jeruschalmi als eine systematische. Wenn die spätere Hand es auch villeicht nicht wagte, den Text selbst zu verändern, so sind doch Einschiebuugen aus Babli Versetzungen, Einschaltung gewisser Worte in genügender Anzahl vorhanden, Mittel, die hinreichend waren, den Leserim Dunkeln tappen zu lassen.') Wir haben aber dennoch ein Mittel, ihn in seiner Integrität herzustellen, durch Verbindung mit der Muttererde, der er entwachsen, nämlich der palästinensischen Mischna — unsere Tosifra. ־) *) Wenn Hr. vr. Dünner ineint, die Interpretation des Jeruschalmi biete keine größeren Schwierigkeiten, als die des Babli, so reichen wir seinem pilpülistischen Talent gerne die Palme. Das Verständniß beider in der jetzigen Gestalt verhält sich zn einander etwa wie die Erklärung einer schwierigen Stelle aus Kant und Hegel zur Lösung eines Rösselsprunges. Man braucht nur die zwei Folioseiten fassenden Emendationen von R. Eliah Wilna zu dem kleinen Traktat Schekalim sich anzusehen und man wird zugeben, daß die Schwierigkeiten des Jeruschalmi doch anders geartet sind, als die des Babli. (vgl oben. S. 229 Anm. 1.) a) Wir tappen dann nicht mehr im Dunkeln über die Richtigkeit der verschiedenen Lesarten in Tosifta, Jeruschalmi und Babli. In den meisten Fällen stimmt Jeruschalmi mit der Tosifta, das ist dann die ursprüngliche