Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 6)
- Language
- German
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228 Verhältniß der Tosifta zur Mischna und der jerusalemischen Hoschaja u. A., so daß man beliebig, je nachdem es paßte, die eine oder die andere auswählte, oder gar nach der anderen Annähme, jeder Tanai hätte eine eigene Sammlung angelegt und die Sammlung, die N. Jehuda Hanaßi seiner Mischna zu Grunde gelegt, nämlich unsere Tosifta wäre merkwürdiger Weise verloreu gegangen und, was noch merkwürdiger wäre, niit dem Auffinden der letzteren nach Abschluß des Talmud Babli seien jene wie durch ein Zauberwort verschwunden. — Doch nein, Herr vr. Dünner verspricht uns noch Reste jener zu zeigen. *) — Nein, es hat in Palästina nur, einen allgemein normirenden Codex gegeben, der wohl in jeder Zeit durch öffentliche Verhaulungen festgestellt wurde. — Wir haben uns doch eine religionsgesetzliche Organisation zu denken. — Die letzten Bestimmungen aus der Zeit R. Jehuda Hanassi's sind von R. Chija und R. Hoschaja, den Hauptrepräsentauteu der Versammlung, dem Codex einverleibt worden. Dieser palästinensische Codex ist uns zum größten Theile in der Tosifta erhalten — die fehlenden Theile sind ohne Variante in die babylonische Mischna ausgenommen worden — , welcher, wie schon angegeben, den Text zum jerusalemischen Talmud bildete. Dieser Codex ivnrde in Babylonien nach neuen Vorstellungen und Begriffen selbstständig interpretirt und folgerecht emendirt. Aus diese Interpretationen fußend, wurde dann ein den Bedürfnissen angepaßter verkürzter Codex angelegt, der für Babylonien gesetzliche Airtorität hatte. Wie die Tosifta, so ist auch die Mischna im Ganzen unversehrt auf uns ') Herr I)r. Dünner zieht eine Parallele zwischen öen im Mittelalter entstandenen Codices von Alfaßi und Maimuni, und der Tosifta und Mischna, aber er übersieht die ganz veränderten geschichtlichen Vcrhältnisie. Im Mittelalter hat jede äußere Organisation aufgehört, es war dem Individuum überlassen zu schreiben, was er will, nur die ideale Einheit vereinigte die Juden. Das war ganz anders in Palästina und auch in Babylonien. Da hat es noch ein äußeres Oberhaupt gegeben. Herr vr. Dünner sieht zwar den Unterschied der Zeitdauer, aber — meint er, das hat nichts zu bedeuten, also auch nicht der Ort. Dann kann man allerdings aus Allem Alles machen.