Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 4)
- Language
- German
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226 Verhältniß der Toststa zur Mischna und der jerusakemischen ist eingetreten. Die historische Kritik hat die Ueberzeugung gefestigt, daß Ort, Zeit und andere geschichtliche Verhältnisse nothwendige Atomente auch bei der Entwickelung der Halacha sind, daß unsere alten Lehrer aus ihrer Zeit beurtheilt werden müssen, wonach ihre Erklärungen und Sätze den geschichtlichen Voraussetzungen entsprechend untadelig, aber nicht für alle Zeiten unfehlbar sind. Die historischen Berichte des Seder Tanaim W'amoraim können durchaus nicht in allen ihren Theilen auf Authenticität Anspruch machen. ') Indem wir die Quellen genau erforschen und die späteren Schriften danach prüfen und der Wahrheit die Ehre geben, ehren wir zugleich unsere Vorfahren, die ja nur nach ihrer Ueberzeugung der Wahrheit gedient. Wenn auch Tendenzkritik nicht ihre Sache war und sein konnte, so haben sie doch Kritik — Forschung im eigentlichen Sinne — in vollem Maaße angewendet. Es ist unläugbar, daß Babli in vielen und wichtigen Fragen vom Jernschalmi abweicht daß das, was nach dem einen gestattet, nach dem anderen verboten ist und unigekehrt. Diese Thatsache mußten alle späteren Harmonisten zugeben. Es ist ferner unbestritten, daß die babylonischen Amoraim auch Selbstständigkeit in der Ausübung der Halacha bethätigten. Eine Abhängigkeit Babyloniens von Palästina in der nachmischnifchen Zeit ist gewiß abzuweisen. Darauf führt auch der Antagonismus zivischen Palästinensern und Babyloniern, besonders was die Lehrmethode betrifft, der sich in starken Ausdrücken Luft niacht. Ist diese Selbstständigkeit Babyloniens außer Zweifel, warum sollte nran sich dort gescheut haben, da, wo der Gedanke es forderte, Eniendationen in die palästinensische Mischna zir machen? Es gilt als erstes Erforderniß einer richtigen Interpretation, daß den! Gedanken mehr Gewicht beigelegt werden müsse, als *) Wir werden diese Behauptung, die zum großen Theile aus unseren Untersuchungen sich ergeben wird, in einer kritischen Ausgabe dieser Chronik, die wir zu besorgen gedenken, s. G. w., besonders beweisen.