Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 2)
- Language
- German
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224 Verhältnis; der Tosifta zur Mischna und der jerusalemischeu sals, daß gerade die minder authentischen Boraitas sich erhalten haben und jene ״authentistischere" verborgen blieb! Es wird Jeder zugeben, daß diese Hypothese von vorherein sich nicht empfiehlt, und daß — würde man in der That genöthigt sein, mehre Sammlungen als vorhanden anzunehmen, die Hypothese Frankels mehr einleuchtet. Daß die Beweise Dünners das nicht leisten, was sie sollen, daß die Auffassung der betreffenden Stellen keine zutreffende sei, werden wir inr Verlaufe der Darstellung zu zeigen Gelegenheit haben. Wir können seine Erklärungen beim besten Willen nur als modernen Pilpul bezeichnen. Frankel hat den Pilpul zu sehr kennen gelernt, um denselben in die wissenschaftliche Behandlung des Talmud, die ihn beseitigen soll, einzuführen. Hingegen widerlegt die von Dünner vorgebrachte Instanz vom Charakter der Tosifta die Annahme einer Verschwelzung zweier Sammlungen in derselben. Es kommt hinzu, daß die Verschiedenheit der Citate in Babli mit der Tosifta durch die verschiedenen Sammlungen sich gar nicht erklären lasse, da, wie wir in mehreren Artikeln nachgemiesen haben und noch zeigen werden, die Abänderung der Tosifta in Babli nur durch Ortsnnd Zeitverschiedenheit sich erklären lassen, weil Stellen über die in Palästina gar keine Meinungsverschiedenheit bestand, wie Jeruschalmi bezeugt, in der babylonischen Gemara eine andere Form und anderen Sinn haben, was auf gemachte Enrendationen zurückweist. Frankels Standpunkt ist erklärlich. Ihm war die Aufgabe zugefallen, gegen beide seit den vierziger Jahren schroff nicht klar, ob auch R. Jochanan diese ״authentistischere" Tosifta verborgen blieb, auf deren Grundlage R. Jehuda Hanassi die Mischna geschaffen haden soll. Daß der Verfasser von seiner ersten Ansicht nicht zurückgekommen, beweist die Verweisung auf dieselbe S. 232 Jhrg. 1872. Und dennoch soll nach S. 331 Jhrg. 1873 ״das Studium der Boraitot Rabbis Mffchna beinahe (!> gänzlich verdrängt haben." Wir müssen gestehen, daß, trotz des nicht unbedeutenden Darstellungstalents des Verfaffers, die Unklarheit, an denen die Arbeiten deffelben leiden, auf Rechnung der Hypothese zu schreiben sei.