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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 3 · p. Seite 109

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 3
Article
Die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Juden im sinkenden Römerreiche
Date
1874-01-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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im sinkenden Römerreiche. 109 darauf hinwies, daß sich Privathäuser zum Nachtlager viel besser eigneten; diejenigen, die durchaus in der allernächsten Nähe Gottes von den Mühen des Tages ausruhen wollten, sollte man trotz dieses heiligen Vorsatzes herausbefördern auf die Gasse. Diese christliche Passion war noch ziemlich unschuldig gegen die Feldzüge, welche raublustige Bischöfe mit ihren getreuen Schaaren zur völligen Ausräubung und Vernichtung der Synagogen unternahmen. Wo die Juden zahlreich angesiedelt waren, haben sie gewiß nicht diesen Eingriff in ihr Eigenthum ruhig mit angesehen und es mochte da manchem Geistlichen eben so ergangen sein, wie jenem Marcellus, den die wuthentbrannten Paganen erschlugen. Und nicht darf man glauben, daß die Leiter derartiger Bombardements der Auswurf ihres Standes waren; ein Ambrosius vertheidigt dieselben mit der Heftigkeit eines Gottesstreiters, und ich sehe es dem Chrysostomus an, er hätte gewiß auch gerne den Satanas aus seiner Behausung herausgetrieben. Der Bischof von Mailand ging sogar so weit, daß er dem Kaiser Theodosius I seine gottgefällige Ansicht mit verblümten Grobheiten octroyirte; es ist sonderbar genug, der Gothenbesieger ließ sich dadurch einschüchtern. H Um so mehr ist es zu verwundern, daß er trotzdem im Jahre 393 ein Edict erließ an den Feldzeugmeister des Orients, in welchem er zu verhindern befahl, ״den Uebermuth derjenigen, die unter dem Vorwände der christlichen Religion allerlei Unerlaubtes sich herausnehmen und Synagogen zu zerstören und auszuplündern versuchen." *) Man bedenke, daß gerade zu dieser Zeit in Folge der Theodosianischen Edicte gegen das Heidenthum *) die Zertrümmerung der Meisterwerke der antiken Kunst an der Tagesordnung war, und da mochte man im Eifer der Arbeit sich auch auf die Tempel der Juden stürzen mit all der Emsigkeit und *) Ambros . cp. 29. ») C. Th. XVI. 8, 9. 3) C. Th. XVI. 10, 7—12.

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