Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Juden im sinkenden Römerreiche
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829444-2829447-2867735--15283-2867757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im sinkenden Römerreichs. 55 Auge gefaßt, sondern auch die Anwendung desselben; Weinland ward höher belastet als Acker- oder Weideland. In Folge der Verschlechterung der Münzen im dritten Jahrhundert hatte man unter Diocletian gar kein Geld mehr, weshalb nun das Tributum in Naturalien eingeliefert wurde und daher den Namen ״onnons" erhielt. Als aber unter Constantin wieder eine geordnete Münze eingeführt wurde, setzte sich der hauptsächlichste Theil der Annona in Geld um, und in der späteren Zeit wurde nur derjenige Theil, den man zur Besoldung der Soldaten gebrauchte, ferner in Naturalien verlangt. Wenn wir mm in der oben erwähnten jüdischen Predigt Annona und Tributum nebeneinander erwähnt finden, so dürfen wir nicht an zwei verschiedene Grundsteuern denken, soridern an zwei verschiedene G est a l t u n g e'n einer und derselben Abgabe. Unter Annona hat man wohl denjenigen Theil zu verstehen, der in Naturalien, unter Tributum denjenigen, der in Geld geleistet werden mußte. Um die richtige Einlieferung der Grundsteuer hatte sich vor Allem der Stadtrath zu bekümmern. — Der Stadtrath, *) der vor Zeiten eine höchst achtbare Stellung gehabt, war jetzt herabgesunken zu einer Rotte elender Lastthiere. Es fand sich hier eine sehr buntscheckige Masse zusammen: neben denjenigen, auf denen dieser Fluch noch von den Ahnen her lastete, sah man ausgediente Subalternbeamte fast jedes Verwaltungszweiges, schwächliche Veteranensöhne, die zun! Militärdienst unfähig waren, auch Verbrecher, die hierher, wie in eine Strascolonie gesandt wurden. Früher sammelte man Vermögen, um im Alter unbekünunert zu leben und seinen Kindern einen würdigen Stand zu verschaffen, jetzt, um in die Curie gesperrt zu werden; denn jeder, der ein wenig in die Höhe kam, sollte nun durch Beschluß ') Vergl. zu meinen Bemerkungen über den Stadtrath Gothofr. Paratitl aä C.Th. XII. 1.