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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 12 · p. Seite 553

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 12
Article
Der geschichtliche Inhalt der beiden Psalmen 42 u. 43 und die Zeit ihrer Abfassung
Date
1873-01-01
Page
Seite 553 (sequence 7)
Language
German
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und die Zeit ihrer Abfassung. 553 hältnisse im Lande seiner Gefangenschaft mit seinen Wächtern zu discutiren, zu streiten und zu hadern, so muß der Streit unseres Gefangenen anderer Natur, ein religiöser gewesen sein, der aber selten ausgekämpft und zu Gunsten der einen oder andern Parthei bis zur Ueberzeugung und Anerkennung der gegnerischen Ansicht und Behauptung entschieden wird. Daher bittet der Verbannte 42, 1. ״ שפטני אלהיםbeurtheile, richte mich, o Herr, und entscheide in meinem gewiß gerechten Streite für Wahrheit im Bekenntniß und streite du meinen Streit וריבה ריבי, nicht durch Strafe und Züchtigung, sondern blos durch Erleuchtung. Daher V. 3 die Bitte: ״Sende dein Licht und deine Wahrheit" zur Erleuchtung und Ueberzeugung der Abgefallenen. Beiläufig sei bemerkt, daß der hier vom Verfasser gewählte Ausdruck אורך ואמתך ganz den אורים ותומים am Glanzschild des Hohenpriesters entspricht (Exod. 28, 30), uni dadurch vielleicht den Wunsch auf Einführung des Priesterthums im Lande seiner Gefangenschüft Ausdruck zu geben. Der strikte Inhalt des Cap. 43 ist sonach: die Bitte an Gott gleichsam als Richter zu prüfen, auf welcher Seite das Recht des Streites ist und entscheidend zu richten (שפטני), den Streit zu Ende zu führen, ihn zum Austrage zu bringen (וריבה ריבי,) guv endlichen Befreiung aus der Hand des Volkes, das nicht glanbenstreu, nicht in der Glaubensüberzeugung der Vorvordern lebt (מגוי לא הטיר), zu welcher aber nicht Mauneskraft rmd Stärke, sondern nur eine Offenbarung ähnliche Ueberzeugung, eine göttliche Erleuchtung (אורך ואמתך) führen kann. Daher kann hier גוי nicht Heide, heidnisches Volk, sondern ein Volk wie Deut. 4, 6. oder Jes. 1, 4, also ein gegenwärtig politisch und religiös vom Reiche Juda getrenntes — das isra elitis ch e Volk lediglich geineint feilt, bei welchem der Dichter Gefangener gewesen war. Und so ruft er in seiner Sehnsucht nach dem heiligen Berge, dem Tempel, irr seinem halb zaghaften Vertrauen auf endliche.

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