Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Inhalt der beiden Psalmen 42 u. 43 und die Zeit ihrer Abfassung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 551 (sequence 5)
- Language
- German
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und die Zet ihrer Abfassung. 551 Zu constatiren ist noch, daß die Ursache der Trennung der beiden Cap. 42 und 43, obgleich ihr Inhalt übereinstimmend ist, nicht blos in der geschilderten Lage und gedrückten Stimmung und in der Wiederkehr gleichartiger oder nur wenig von einander abweichender Formeln, sondern hauptsächlich darin liegen mag, daß im Cap. 42 eine gewisse Ergebenheit in der Situation, worin der Dichter sich befunden, merkbar ist, während in Cap. 43 der Grundgedanke die Hoffnung auf endliche Befreiung ist. So sehr auch der Dichter in Cap. 42 sich in die Vergangenheit versetzt, die Feier der Wallfahrer in Gedanken mitfeiern und darüber tief betrübt sein kann, von derartigen Momenten der religiösen Herzerhebung ausgeschlossen zu sein, sindet er genügsamen Trost darin, in seiner Verbannung ebenso wie in der Heimath sein Gebet bei Tag und Nacht zn Gott, dem Lebendigen, zu richten (V. 9). Anders ist das Haupt- Moment in Cap. 43.; in diesem ist die Bitte um Befreiung aus der Verbannung der Cardinalpunkt: ״Sende dein Licht und deine Wahrheit, die werden mich geleiten, werden mich führen zu deinem heiligen Berge und deine Wohnungen." Es hat diese Bitte nichts gemein mit 42, 3., denn dort spricht die Resignation: ״Wann werde ich kommen und erscheinen können vor dem Angesichte Gottes"? und hier das Vertrauen und die Zuversicht auf Erlösung durch Gottes Licht und Wahrheit. Jedoch ist die Zusammengehörigkeit beider Capitel durchaus nicht zu verkennen. In Cap. 42 zeichnet der Dichter das Land und die Gegend, in Cap. 43 das Volk und den Machthaber, unter welchen er Gefangener war. Er befand sich unter einem Volke, das ein גוי לא חסיד war, (43, 2). lieber die Bedeutung des Wortes ״Chassid", besonders in den Psalmen des ersten Tempels, herrscht unter den Erklärern keine Uebereinstimmung. Der Grundgedanke, dem damit Ausdruck gegeben werden soll, scheint noch nicht erkannt und aus diesem Grunde noch nicht präcisirt worden zu sein, daher die so öftere Abweichung in der Uebersetzung. Selbst Hup-