Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Söhne des Herodes
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Söhne des Herodes. 409 schlecht die ihm erwiesene Gastfreundschaft. Mit herodianischer Sinnlick'keit entbrannte der Tetrarch in unreiner Leidenschaft zu der Gattin seines Bruders. Ja der Vermessene wagte es den Wunsch verlauten zu lassen, Herodias möge den Bruder, den unbedeutenden Privatmann, im Stiche lassen und mit ihm eine neue, glänzendere und glücklichere Ehe eingehen. Der eine Funke entfesselte im Nu wieder die schwer niedergekämpften Leidenschaften, und das unglückselige Weib vermochte nicht den sündhaften Verlockungen des Schwagers zu widerstehen. Mit leichter Mühe gab sie sich gefangen, und sofort war Antipas den Wünschen des ehrgeizigen Weibes sklavisch ergeben. Wenn sie die Schandthat beging, so sollte sie nur zum höchsten Zweck, zur Alleinherrschaft, begangen sein, und keine Nebenbuhlerin durfte geduldet werden. Deshalb verlangte sie als Gegenleistung, daß die Favoritin, die Tochter des Araberhäuptlings, entlasten und ihrem Vater zurückgeschickt werde. Herodes, von blinder Leidenschaft befangen, gab diesen verfänglichen Punkt nach, ohne zu bedenken, daß er dadurch selber seinem Throne eine Hauptstütze raube, ohne zu überlegen, daß er sich den mächtigen und gefährlichen Nachbar zum persönlichen Feinde mache. So wurde denn die Uebereinkunft getroffen, daß er bei seiner Rückkehr von Rom wieder im Hause des Bruders vorsprechen und bei dieser Gelegenheit das Weib entführen und die Schandthat vollenden sollte.') Und in der That wurde ganz dieser Verabredung gemäß verfahren. Das Bubenstück gelang vollständig, und wenn man so sagen darf, mehr als glücklich. Denn Antipas wurde sogar der unangenehmen Nochwendigkeit, seine erste Gemahlin gewaltsam vertreiben zu müssen, ') Iosephus sagt: ״xal da^a/xivr}(: ow$rjxa1 yZyvovrat fieroixiffttffitca nqoc avtov, Ö716ts and 'Pmfirjg naQayevoiro, b. h. sie sollte zu ihm übersiedeln, wenn er, von Rom zurückkehrend, wieder bei ihr eingekedrt sein würde." Volkmar (S. 658) übersetzt ganz falsch: ״Und da sie darauf einging, wurde verabredet, sie sollte zu ihm übersiedeln, wenn er von Rom abgereist sei."