Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 8 · p. Seite 371

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 8
Article
Der Einfluß anderer Tannaisten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
Date
1873-01-01
Page
Seite 371 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829430-2829439-2867420--14972-2867464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Einfluß anderer Tannaiten auf R. Jehuda Hannassis 371 andererseits hebt sie dies Verbot auf, indem sie jedem Tanna! den, wenn auch geheiinen Besitz einer solchen Sammlung zuschreibt. Dieser Umstand verleiht der Erklärung das Aussehen voir casnistischer Subtilität. Die Schwäche mag vielleicht auch nicht wenig dazu beigetragen haben, daß Frankel diese Lösung ignorirt mrd die Frage auf einenr andern Wege zu lösen sucht. Betrachtet mau seine Lösung genau, so scheint er einen Mittelweg zwischen der allgenreinen Vorstellung einerseits und der Scherira's rrnd Maimuni's anderseits eingeschlagen zu haben. Die Existenz einer einzigen Mischnahsammlung giebt er zu. Nur soll sie nicht das Werk eines einzigen, sondern mehrerer Tannaiten, die in verschiedenen Geschlechtern gelebt, sein. Diese Annahme entspricht aber den historischen Thalsachen nicht. Worin aber denn haben ivir den Grund zu suchen, daß von so vielen Mischnahsamrnlungen sich nur die einzige vollständig erhalten hat? Mit Absicht fügen wir das Wort vollständig hinzu; denn allerdings haben sich, wie wir an einem andern Orte nachznweisen gedenken, garrze, und zwar bedeutend große Bruchstücke ans anbem Sammlungen bis auf den heutigerr Tag erhalten. Welchem Umstande, wir wiederholen die Frage, hat Nabbi's Mischnah ihre gänzliche Erhaltung zu verdanken? Man hat bis jetzt den Grund allein in der Beschaffenheit der Sammlrrng gesucht. Und gerade hierin lag der Jrrthum. Weder ihre codificatorische, noch ihre redaktionelle Vortrefflichkeit allein ist es, die Rabbi's Mischnah nicht nur eine bleibende Existenz, sondern auch den Sieg über alle anderen verschafl hat. Aeußere, zufällige Umstünde trugen hierzu eben so viel bei, wenn nicht noch mehr. Vieles vereinigte sich, nur Rabbi's Codex für die Nachwelt zum Grundbnche der traditionellen Lehre zu machen. Während der Tannaimperiode trat jedes Mal naturgemäß das jüngere Geschlecht die literarische Nachlassenschaft des vorhergehenden an und goß den Stoff in eine eigene, neue Form. Auf diese Weise knüpfte sich die Tradition jedes Mal an neue Autoritäten. Im fünften Geschlechts aber war, wie bekannt, Rabbi nicht nur der bedeutendste, sondern auch die einzig hervorragende Autorität. Hierzu kam, und zwar als nothwendige Folge des erwähnten Umstandes, daß die nunmehrigen Lehrer Jsrael's fast ausschließlich ans Rabbi's Schülern bestan-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.