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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 8 · p. Seite 370

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 8
Article
Der Einfluß anderer Tannaisten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
Date
1873-01-01
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
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370 Halachah-Feststellung. zeichnung; hierdurch, sagte man, sei nun die Tradition das Eigenthum der Gesammtheit geworden. Nun war Scherira, wie so eben auseinandergesetzt, in dem Jrrthum, daß unsere Mischnah das einzige derartige tannaitische Produkt gewesen wäre, nicht befangen; er theilte also den Ausgangspunkt der erwähnten Folgerung nicht. Nichts desto weniger aber stand auch er vor der Thatsache, daß nur die einzige Mischnahsammlung auf uns gekommen, wie vor einem Räthsel. Ja, diese seine Verlegenheit mußte um so größer sein, als er überzeugt war, daß es während der Tannaimperiode der Mischnahsammlungen so viele gab. Er wußte sich dies nicht anders zu erklären, als indem er bei unserer Mischnah Vorzüge voraussetzte, die sie vor andern bedeutend auszeichneten und ihr so den allgemeinen Beifall erworben hätten. Innerliche, sachliche Vorzüge konnten es schon aus dem Grunde nicht sein, weil solche Eigenschaften an sich nie allein ansreichen, um den allgemeinen Beifall in einem so hohen Grade zu erlangen. Auch würde die Oeffentlichkeit sich schwerlich zum Schiedsrichter über die tannaitischen Leistungen aufgeworfen haben. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als sie in der Vortrefflichkeit des Stiles und der Planmäßigkeit zu suchen. Da er nun in der Notiz R. Jochanan's die Zeichnung eines hervorragenden Zuges vermuthete, so fand er natürlich denjenigen Zug in derselben, der nach seiner Ansicht Rabbi's Mischnah die allgemeine Herrschaft versicherte. Auf diese Weise macht Scherira in seiner lichtvollen Auffassung der Entwickelungsgeschichte der Tannaimperiode einen bedeutenden Rückschritt. Kein Wunder daher, wenn Maimuni, der in der umrißlichen Darstellung der Entwikkelungsgeschichte der Halachahtradition in der Einleitung zu seinem Codex Scherira's Aüffassung zu folgen scheint, das eben erwähnte, auch für ihn bestehende Räthsel aiff eine andere Weise zu lösen sucht. Nach Maimuni sei von all den vielen Mischnahsammlungen die einzige nicht darum auf uns gekommen, weil diese besondere Vorzüge gehabt, sondern weil unter den Tannaiten R. Jehuda Hanassi allein es war, der eine solche veröffentlicht hätte. Diese Erklärung leidet aber an nicht geringern Mängeln, als die Scherira's. Einerseits läßt sie das Verbot der schriftlichen Aufzeichnung der Tradition gelten, indem sie dieses als Grund der Geheimhaltung der schriftlichen Traditionen setzt;

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