Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der Einfluß anderer Tannaisten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829430-2829439-2867420--14969-2867461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
868 Halachah-Feststellung. selbst den meisten in den Tannaitenschulen mitgetheilten Halachoth in Widerspruch befinden. Denn das selbstständige Verfahren R. Meir's schließt keineswegs Uebereinstimnlung mit den allgenreinen Traditionen aus. R. Jochanan konnte daher, wenn er die Gesetzesgültigkeit der Mischnahentscheidungen betonen wollte, sehr gut behaupten מתניתין רבנן ONO, obschon er, wenn er das Abhängiqkeitsverhältniß der Mischnah von R. Me>r zeichnet, die Behauptung סתם מתניתין ר' טאיד aufstellt. Die Behauptungen enthalten also keinen Widerspruch, sondern haben zwei verschiedene Seiten im Auge. Ganz richtig bemerkt demnach R. Seira לא ררשב״ל 8לינ, wenngleich wir vielleicht zugeben müßten, daß der die Bemerkung beleuchtende Zusatz אלא דו חמי רוב סתם משנ ויות דר׳ מאיר das Verhältniß der zwei Behauptungen anders auffasse. Wir sagen: vielleicht; denn wir halten eine Ausgleichnng zwischen der unsrigen und der in dem Zusatze liegenden Auffassung nicht für unmöglich. Wir könnten nun eigentlich schließen, da das dieser Arbeit vorgesteckte Ziel, nämlich den Einfluß anderer Tannaiten auf unsere Mischnah zu ermitteln, erreicht ist. Allein wir haben noch eine Schuld abzutragen. Es wurde oben die Behauptung aufgestellt, daß der Gesichtspunkt, von dem aus Scherira die Redaktionsentwickelung der tannaitischeu Literatur betrachtet, ihn von selbst auf die wahre Bedeutung der in Rede stehenden Notiz hätte führen müssen. Es wurde ferner hinzugefügt, daß nur ein allen historischen Kritikern bis auf die Gegenwart eigenthümlicher Jrrthum hinsichtlich Eines Punktes in der Geschichte der Tannaimliteratur auch Scherira's ausgezeichneten historisch kritischen Blick irre geleitet habe. Ties wollen wir nun begründen. Mit dem ihm eigenthümlichen Takt hat Scherira im ersten Griffe die Thatsache erkannt, daß nicht, wie sonst allgemein angenommen, R. Jehuda Hanassi allein, sondern daß jeder Tanna eine Mischnahsammluug angelegt hat; daß die Tannaiten in dieser Beziehung sich nur rüüsichtlich des Stiles uub der Ordnungsmethode von einander unterschieden haben.') Ferner betont er ausdrücklich die Existenz der Halachahflüssigkeit während .) Vgl. Note 10.