Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der Einfluß anderer Tannaisten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829430-2829439-2867420--14968-2867460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Einfluß anderer Tannaiten auf R. Iehuda Hanassis 367 toritäten viel Widerspruch gefunden haben. Wenn nun in einem gewissen Falle eine Anzahl Autoritäten einstimmig gegen die betreffende Entscheidung Alfasi'S ist, so würde die Praxis, wenn sie in die Lage käme, sich, dein talmudischen Grundsätze יחיד והביט הלכה כרכי□ gemäß, nach der Majorität richten. Sie wiirde aber, wenn sie sich einer maimunischen Entscheidung gegenüber befindet, nicht ohne Weiteres und nur allein auf Grund des Umstandes, daß Maimuni in seinen Entscheidungen Alfasi folge, jener zuwider handeln dürfen. Erst die Ueberzeugung, daß Maimuni bzw. Alfasi sich in dem fraglichen Punkte wirklich in Widerspruch mit der allgemein angenommenen Ansicht befinde, kann ein Grund für Abweichung sein. Selbstverständlich ist ein solcher Widerspruch durchaus nicht. Denn, so sehr Alfasi selbststäudig bei der Ermittlung der Halachoth zu Werke ging, so hat er doch in den meisten Fällen, also überall da, wo kein zwingender Grund vorhanden war, bei seinen Entscheidungen die allgemein herrschenden Ansichten zur Richtschnur genommen. In Berücksichtigung dieses Umstandes kann man von Maimuni, der ihm in der Regel folgt und gewiß auch in den eben erwähnten Fällen, wenn, wie vorausgesetzt werden muß, auch für ihn kein zwingender Grund für Abweichung ist, keine Ausnahme macht, mit demselben Rechte behaupten, daß sein Codex die in den Schulen tradirten Auffassungen und Entscheidungen wiedergiebt, mit anderu Worten: סתם הלכה כרבים. Es sind demnach beide Charakteristika, das so eben erwähnte wie das oben angeführte סתם הלכה כר׳ יצחק אלפסי richtig; sie zeichnen verschiedene Seiten. Dieses betrachtet Maimuni's Werk als Geistesprodukt und hebt den in dem originellen Werke vorhandenen fremden Einfluß hervor; jenes hingegen hat den Codex als solchen im Auge und fällt über dessen codisicatorischen Werth für die Praxis ein Urtheil. — Die hypothetische Betrachtung bezüglich des maimunischen Codex findet in allen ihren Theilen thatsüchlich auf unsere Misch nah Anwendung. Denn dasselbe Verhältniß, das man zwischen Alfasi und Maimuni gewahrt, bestand zwischen R. Me'ir und Rabbi. Wenn R. Iehuda Hanassi in seiner Darstellung des Traditionsmaterials die Normirungen R. Me'i'r's zum leitenden. Princip genommen, so setzt dies nicht voraus, daß die Entfcheidungeu unserer Mischuah sich nothwendig mit allen oder