Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der Einfluß anderer Tannaisten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
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366 Halachah-Feststellung. seine Quelle hat. Unsere Stelle bestätigt hiermit auf's Neue die von 1ms früher (Monatsschr. ibid.) aufgestellte und b egründete Behauptung von der während der Tannaimperiode herrschenden unbeschränkt freien Selbstthätigkeit gegenüber tradirten aber nicht sinaitischen Halachoth. Denn in unserer Notiz wird dieser Zug nicht von Nabbi allein, sondern auch, wenngleich indirekt, von N. Mekrund einer Anzahl anderer zeitgenössischen Tannaiten berichtet. Denn in der babylonischen Notiz N. Jochanan's wird dasselbe, was von R. Meir in Bezug auf die Mischnah constatirt wird, von mehreren seiner Zeitgenossen in Bezug auf andere Halachahsammlungen mitgetheilt und zum Schlüsse bemerkt וכולהו אליבא רר׳ עקיבא. Also auch R. Me>r und die anderen daselbst namhaft gemachten Tannaiten wichen in ihren Entscheidüngen von der Majorität d. h. der allgeinein gehuldigten Ansicht ab, so bald N. Akiba mit dieser in Streit war. Und ist es wohl nicht gewagt, wenn wir hinzufügen, daß diese Abweichung eben so wenig, wie bei Nabbi, ausnahmslos und daher ein Ausfluß unselbstständigen Vertrauens war. Zieht man nun die von uns am eben erwähnten Orte nachgewiesene Thatsache in Betracht, daß Rabbi's Mischnahsammlnng, abgesehen von ihren etwaigen besonderen Vorzügen, eine in der Tannainiperiode ganz gewöhnliche Erscheinung war; bedenkt man ferner, daß eben diese Mischnahsammlunq nichts anderes als ein Codex in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes ist, daß sie nänilich die kurzen Resultate ausführlicheru Quellenstudiums enthält: so erscheint das wahre Verhältniß der zwei Behauptungen סתבם מחניתין ר׳ מאיר und סתם מתניתין רבנן in viel hellerem Lichte. Fassen wir Maimunis Codex, der, wie kein anderer, rücksichtlich seiner Motive und seiner Anlage, unserer Mischnahsammlung sehr ähnlich ist, ins Auge und versuchen dann nach derselben Seite und in ähnlicher Weise, wie R. Jochanan die Mischnah, denselben zu zeichnen. Man weiß, daß Maimuni in den entsprechenden Disciplinen in der Regel Alfasi's Entscheidungen folgt. Man würde daher, wenn man in der talmudischen Redeweise den Alfasi'schen Einfluß auf Maimuni's Codex zeichnen wollte, am Besten es folgendermaßen ausdrückeu: ,סתבש ר,לבר כר' יצחק אלפסי. Nun ist es nicht weniger bekannt, daß Alfasi's Entscheidungen bei Zeitgenossen sowohl als bei späteren Au-