Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Söhne Herodes
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 12)
- Language
- German
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356 Die Söhne des Herodes. Auftritts bei einem Gastmahl das vom Tetrarchen erhaltene Gnadenbrot verschmähte; vgl. Ant. XVIII, 6, 2. 2) Der maaßlose, und, was die Hauptsache ist, in's Verderben führende Einfluß, den Herodias auf ihren Gatten ausübte, wie die Veranlassung des Sturzes des Antipas lehrt; vgl. das. Kapitel 7. 3) Der schlaue, gewaltthätige und hinterlistige Charakter der Herodias, der bei demselben Ereigniß offen zu Tage tritt. 4) Die kurze Zeit nach dem Sturz des Antipas fallende Ueöerlistung des Kaisers Caligula durch den König Agri ppa bei Gelegenheit eines glänzenden Gastmahls, als der Kaiser durch das übereilte Versprechen jeden Wunsch des Königs zn erfüllen, zur Zurücknahme des Befehls, seine Bildsäule im Tempel zu Jerusalem aufzustelten, veranlaßt wurde. Vgl. das. Kap. 8, 7 und dazu Graetz, IIIa, Note 24, S. 487—492 und oben S. 316 folgg. Zu diesen Zeitereignissen kommt noch 5) die Jedermann geläufige Erzählung von Esther und Ahasver. Alle diese Thatsachen, die, natürlich abgesehen von der letzten, im engsten Zusaminenhange mit der regierenden Dynastie stehen, die die folgenreichsten Ereignisse int Leben des Antipas und Agrippa ausmachen, lebten im fünften nachchristlichen Jahrzehnt') im Munde aller palästinensischena)Juden und verflochten sich umso leichter im Bewußt- ') Man wird diesen Zeitraum nicht zu eng bemeffen finden, wenn man sich vergegenwärtigt, wie schnell und geschäftig grade bei solchen Bew egungen, die das Gemüthsleben aufs tiefste und nachhaltigste erschüttern, von der lebhaft erregten Phantasie Mythen und Legenden geschaffen und mit den prächtigsten Farben ausgemalt werden. Man denke nur an die mannigfachen Mythen, Legenden und Apokalypsen, die in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts noch bei Lebzeiten des Pseudo-Messias Sabbathai Zwi wie Pilze aus der Erde schossen, seine Lebensereignisse allegorisch auslegten und veränderten, und nichtnur unter den Juden, sondern auch bei den Christen und Mohammedanern Myriaden Gläubiger fanden. Vgl. Graetz, Sinai et Golgotha, Anh. S. 377 und Gesch. b. Juden X, S. 206, 236 flg. *) Als Ort der Entstehung muß, wie mir scheint, deswegen Palästina angenommen werden, weil für die der Legende zu Grunde liegenden That-