Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Söhne Herodes
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 10)
- Language
- German
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354 Die Söhne des Herodes. Fünfzigern - so alt wäre Philipp ungefähr gewesen, ob man nun den Tanz frühestens in das Jahr 28. oder spätestens in das Jahr 34. n. Chr. setzen mag — noch dazu ein Fünfziger, der bisher unverheirathet gewesen ist, ein Mädchen von 8—9 Jahren heimführt, falls nicht die gewichtigsten Gründe für ihn vorliegen, sicherlich ein wenig ungereimt. Diese Schwierigkeit entgeht auch Hausrath * *) nicht und er ist schnell mit einem bequemen Heilmittel, das diesem Schaden abhelfen soll, ״mit politischen Er- Wägungen" bei der Hand. Allein wir erhalten durch die Quellen weder den mindesten Aufschluß darüber, welche Erwägungen überhaupt für Philipp bei Abschluß der Ehe maaßgebeud gewesen sind, noch wird uns auch nur eine leise Anspielung gegeben, daß diese Erwägungen politischer Natur gewesen seien. Es ist auch gar nicht abzusehen, welcher Art jene politischen Erwägungen gewesen fein sollen, und noch viel weniger, wodurch sie plötzlich nach der Ermordung des Täufers so dringend geworden seien, daß der alternde Mann ein unmündiges Kind zu seiner Gemahlin gemacht haben müßte. Viel näher und natürlicher scheint mir der oben ansgeführte praginatische Zusammenhang, daß hier nichts weiter als eine Jntrigue der ehrgeizigen und herrschsüchtigen Herodias vorliege. Will man nun trotz alledem den Ausdruck xonäacov retten, so bliebe nichts iibrig, als, wie jüngst noch Keines) zu sagen, daß ״das Wort, als zu den Tanzkünsten passend, sich von selbst ergab, und daß die Fürstin oder sogar die fürstliche Wittwe s) nach Art der Kaiser-Tochter Julia und anderer vornehmer Römerinnen über die Schicklichkeit uitb Anständigkeit gewiß erhaben gewesen sei." Allein es ist klar, daß durch eine solche Exegese sowohl dem einfachen Wortsinn als der offen zu Tage liegenden Tendenz der evangelischen Berichte Gewalt angethan wird, und ,) S. 384. *) 0. a. O. S. 47, vgl. unten S. 357. 3) Keim setzt Philipps Tod vor die Ermordung des Täufers.