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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 7 · p. Seite 335

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 7
Article
Zur Geschichte jüdischer Sagen
Date
1873-01-01
Page
Seite 335 (sequence 4)
Language
German
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Zur Geschichte jüdischer Sage». 335 für sich behält er den Rumpf. ״Jst's bei euch Sitte, so zu theilen, fragte entrüstet der Wirth. Ta antwortete der Jüngling: Ich habe rnich gleich gegen das mir nicht zukommende Geschäft gewehrt; aber die Erklärung meiner Handlungsweise sollst du erhalten. Als ich die Tauben vertheilte, richtete ich es so ein, daß stets die Summe drei herauskomme; deshalb gab ich den drei Paaren am Tisch je eine, mir, dem Einzelnen, zwei. Von dem Huhne aber bekamst du den Kopf als Haupt der Familie, die Mutter deiner Kinder erhielt die Eingeweide, das Symbol der Fruchtbarkeit; deine Söhne, als die Stützen deines Hauses erhielten die stützenden Schenkel und die Flügel gab ich deinen Tüchten: ״denn morgen vielleicht schon fliegen sie hinaus und ziehen in das Haus ihrer künftigen Männer!" Ich selbst nahm beii Rumpf (das Schiff aram. ״; (אילפאdenn zu Schiff bin ich gekommen und zu Schiff will ich wieder heimkehren, geh' und gieb mir das Vermögen, welches dir :nein Vater anvertraut hat." Diese fein pointirte Anekdote ist nun, wie Reinhold Köhler (der sie nach Heimaun Harwitz, Sagei: der Hebräer, Leipzig 1826, S. 142 ff. keimt) nachweist >), noch in der Form eines türkischen Schwankes und einiger deutschen Erzählungen vorhanden. Jur Türkischen findet sie sich als Theil einer Erzählung (״Vonr Räuber und vom Richter"), welche die Abschreiber des osmanischen Volksbuches ״Meister Nasreddins Schwänke" an den Rand der eütgetueu Seiten, einzuschreiben pflegen, wie die deutschen Uebersetzer desselben berichten (M. R.'s Schwänke u. s. w. Bremen 1807). Diese türkische Version der Midrascherzühlung ist schon etwas modificirt, wenn auch in erklärlicher Weise. Die zwei Töchter sind nach muslemischen Haremsitten den Augen des Fremden entzogen und haben zwei Dienern Platz gemacht, und diesen werden die Schenkel zu Theil, weil sie Tag und Nacht auf den Beinen sind; die Söhne bekommen die Flügel als die Schwinge!: des Vaters. Die Frau wird nicht als Mutter betheiligt, sondern sie erhält den Hals, weil sie dem Manne ihren Nacken beugt. Die Deutung des behaltenen Rumpfes muß natürlich hier eine andere sein; er nimmt ihn deshalb, weil er weder Weib noch Kind noch Diener habe und ein Mensch ohne 0 Orient und Occident herausg. v. Senfelj I, Bd. S. 438.

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