Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte jüdischer Sagen
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829430-2829438-2867360--14933-2867414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
336 Zur Geschichte jüdischer Sagen. Arme, Flügel und Füße sei." Auch die Vertheilung einer Anzahl Geflügel auf eine Anzahl Personen ist anders im Türkischen. Es sind bei derselben nur noch der Richter und seine Frau am Tische; aber auch der ״Räuber" vertheilt so, daß jedesmal drei herauskommt; denn von den drei zu vertheilenden Hennen giebt er dem Ehepaare zusammen eine, sich die zwei andern. Um den letztern Theil gekürzt, aber der jüdischeil Quelle ähnlicher sind die deutschen Versionen, wie sie bei Philipp Harsdörffer, Johann Pauli und Hans Sachs sich finden. Bei dem ersten (Nathan nnd Jötham, Nürnberg 1659 2. Theil H- Band S. 151) zerlegt die ״Zerlegekunst" selbst, als Gast personificirt. Harsdörfer weicht von der jüdischen Erzählung in der Auslegung des Gerippes und in dem Umstande ab, daß der Herr außer dem Haupte auch den Hals erhält, wegen der Sorge für die Nahrung. Aus demselben Grund läßt Hans Sachs in feiner Erzählüng ״der Münnich mit dem Capaun" (Werke, Nürnberg 1590 U, 4, 72 ©.) den Kragen der Frau zufallen. Die Töchter erhatten die Flügel, ״weil sie in Lieb sind rund nnd stück, wo sie geschmückt mit Reverenzen sind bei der Edelleut Hoftänzen." Bei Johann Pauli (Schimpf und Ernst ed. Frankfurt 158 L. S. 23) ist wie beim Nürnberger Dichter der Gast ein Mönch und der Wirth ein Edelmann; aber in der Motivirung des Rumpfes und des Halses kommt seine Version mit der türkischen überein. — Zum Schlüsse braucht rächt noch besonders hervorgehoben zu werden, daß auch hier sowohl durch den alten Fundort als durch die Ursprünglichkeit der ganzen Anlage und Motivirung sich die jüdische Erzählung als die Würzel der übrigen ausweist. ,Fortsetzung folgt.)