Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte jüdischer Sagen
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 3)
- Language
- German
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334 Zur Geschichte jüdischer Sagen. Nun ist es von großem Interesse, daß nicht nur die beiden Anekdoten: vom Athener, der nach Jerusalem kommt, und von den vier Jerusalemern, die nach Athen komnieu, zu einer einzigen verschmolzen, so große Verbrertuug sanden; sondern noch eine dritte ebenfalls in Echa rabba als Beweis jüdischen Witzes gebrachte, hat eine ganze Reihe von Erzählungen erzeugt, und zwar sowohl in: Osten als im Westen. Es ist gleich die erste von R. Hunua im Namen R. Jüse's angeführte Erzählung (Megiüoth r. 59b.) Ein Jerusalemer kam nach Athen ') und starb daselbst. Vor seinem Tode übergab er seinem Wirthe sein Vermögen mit dem Aufträge, es nur dann seinem Sohne, der das väterliche Erbe holen komme» würde, auszufolgen, wenn er drei Beweise seines Scharfsinnesa) gegeben haben werde. Der Sohn kömmt nach einiger Zeit wirklich und besteht die drei Proben glänzend. Die zweite und dritte werden folgenderweise erzählt. Den fremden Jüngling bereitet sein Wirth ein Gastmahl, an dem noch des Letzter» Frau, zwei Söhne und zwei Töchter Theil nehmen. Man trägt unter Andern: auch fünf Tauben auf. Die Vertheilung derselben unter die sieben Personen übergiebt der Hausherr dein Gaste. Dieser thut es nach einigem Sträuben und zwar so, daß er den: Ehepaar, den beide» Söhnen und ben beiden Töchtern je eine giebt, sich selbst die übrigen zwei Tauben hält. Be: der Abendnmhlzeit soll er wieder ein gemästetes Huhn zerlegen. Dieses Amtes eutledigt er sich .so, daß er den Kopf dem Manne, der Frau das Gekröse, den Söhnen die beiden Schenkel und die Flügel de» Töchtern giebt; ») Diese Stadt ist gewiß unter למדינתא zu verstehen. Daß es eine überseeische Stadt ist, wird aus dem Schluß der Erz. ersichtlich und daß es Athen ist, daftir spricht die Analogie der andern Erzählungen. Dann entspricht מדינתא dem attischen aavv. *) חוכמתא. תלת מלין דחוכמחא ist hier wie in dem entsprechenden לישן דחוכמתא gewiß nicht ״Philosophie, Dialektik", wie Letzteres von Herrn vr. Perles übersetzt wird, sondern es ist darunter witzige, scharfsinnige Handlungs- oder Redeweise zu verstehen. Im bab. Talmud tErubin 53 b) findet sich die hebräische Form des Ausdruckes: לש1ן ת2מת und bedeutet dort die witzige Art sich auszudrücken, besonders etpmologisirende, räthselartige Umschreibung eines Wortes oder Begriffes. Beispiele davon werden dort unter Andern auch von der Magd des Patriarchenhauses berichtet.