Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Einfluß anderer Tannaiten auf R. Jehuda Hanassi's Halacha-Feststellung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
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Halachah-Feststellung. 331 gesetzt worden ist, befand sich die Halachah die ganze Tannaim- Periode hindurch im beständigen Flusse, indem die betreffenden streitigen Halachoth nicht nach gewissen dogmatischen Kriterien entschieden wurden, also das ganze Halachahgebiet nicht abgeschlossen war. Noch so hervorragende Autoritäten übten als solche auf die einzelnen Tannaiten eben so wenig unbedingten Einfluß aus, als die allgemein herrschende Ansicht es vermochte, wenn sie sonst nicht von überzeugender Kraft war. Tiefem Zustände machte Rabbi ein Ende. Seine Mischnahsammlung bezeichnet den Uebergangspunkt von der selbstständigen zu der abhängigen Behandlung der tannaitischen Halachoth. Seine Mischnah wurde als die maßgebende betrachtet und i» relativ kurzer Zeit hat sie all die andern, frühem und zeitgenössischen Sanimlungen von der öffentlichen Bühne verdrängt. Die kanonische Geltung der Mischnah hatte nicht nur die religiöse Praxis, sondem auch die Schule bedeutend umgestaltet und zwar in einer noch anderen als in der erwähnten Hinsicht. Bei all ihrem Streben nach Ordnung, Uebersichtlichkeit, Abrundung und Gewißheit trägt sie doch noch zu sehr das Gepräge der früheren Sammlungen. Um hier nur einen Zug hervorzuheben, so wird in ihr nicht selten ein und dasselbe Differenzprincip au verschiedenen Stellen in verschiedener Weise mitgetheilt. Hier erscheint es in gesetzesgültiger Fornr (ONO), da als offene Frage Außerdem ist bei einer nicht unbeträchtlichen Airzahl von Disferenzen nicht einmal ein Abschluß versucht; die Redaktion begrrügt sich dann mit eirrfachen Referaten Wie nun, wo die Mischnah als der einzig maßgebende Religionscodex betrachtet wurde, in solchen Fällen zu Werk zu gehen? Diese Frage nrußte sich den Lehrern mit aller Kraft aufdrängen. Die Verlegenheit erzeugte die Aufstellung von den bekannten, im Talmud häufig vorkonlmenden Normirungsregeln. Die Aufstellung derselben konnte aber, wenn sie anders nicht in Wüllkür ausarten sollte, nicht die Sache eines Jeden sein; denn sie bedingt sehr gründliche Quellenkenntniß. Und gerade das Quellenstudium, d. die Pflege derjenigen überlieferten tannaitischen Erörterungen, die die Begründung der betreffenden Differenzen enthielten, mit einem Worte: das Studium der Boraithoth, hatte Rabbi's Mi sch nah beinahe gänzlich aus der