Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine culturgeschichtliche Borajtha und ihre Wandlungen
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 4)
- Language
- German
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Eine kulturgeschichtliche Borajtha und ihre Wandlungen. 273 Alexandria, das ohnehin christlich geworden war, nicht mehr ausgesagt werden, und sie wird den Arabern zuertheilt. (Dieselben waren durch den immer bedeutender werdenden Handel nach dem Auslande üppiger und frivoler geworden, wie die Schilderung von Mohammed's Zeitgenossen bei Sprenger, sowie manches vorislamitische Gedicht der arabischen Literatur beweisen). Die Babel zugeschriebene Heuchelei ist gewiß nur aus einer von R. Jochanan im Namen R. Simon ben Jochai's tradirten Deutung des Verses in Zacharias ') hervorgegangen. Mit der eben besprochenen Stelle des späten Sammelwerkes zeigt viel Aehnlichkeit die im Ganzeil mehr ursprüngliche Züge enthaltende Version des babylonischen Talmud (Kidduschin 49d). Aber auch letztere muß ziemlich jung sein, da sowol Autorname als תני, das Kennzeichen einer Borajtha am Eingänge fehlt; auch ist sie mit jünger« Elementen versetzt. Daß die Form, welche R. Nathan seinen Sätzen gegeben hatte, die Verhältnißzahlen neun und eins, beibehalten sind, beweist, daß wie oft, in Babylonien palästinensische, nainentlich tannaitische Aussprüche treuer bewahrt wurden, als in Palästina selbst. Die Schönheit Jerusalems und die Weisheit im Lande Israel werden auch hier vorangestellt. Den Reichthum kann auch der babylonische Agadist nicht von den zeitgenössischen Römern aussagen; er nennt daher die alten Römer (רומיים קדמונים). Lyddas Armut erregte natürlich kein Interesse mehr, namentlich in den Euphratländern; für diese hatte mehr Sinn und wie es scheint auch Berechtigung die Bemerkung: עשרה קבים עניות ירח לעולם ט׳ נטלה בבל וא׳ כל העולם Tes nahe liegenden Elam Hochmuth und Heuchelei wird näher behandelt. Die herrschenden Perser sind von anderen Seiten in's Auge gefaßt, als bei R. Nathan; sie erhalten wie in den Aboth, die meiste Stärke, das Ungeziefer wird den Bewohnern des medischen Berglandes zu Theil. Aegypten bleibt auch hier das Land der Zauberer; die erste Stelle in der Sittenlosigkeit bekammen die Araber, die in der Häßlichkeit die Aethiopen. a) — Nur 1) S. Synhedrin 24b und Kidduschin 49b (an letzterer Stelle fehlt: ׳NIבשם ר״ש בן ׳>. a) Vielleicht ist au h in Esther r. unter כושיים מורת״ם zu verstehen oder so zu lesen. ,.Bekannt ist, daß im Targum und auch bei den Arabern הורו und כוש Wechselbezeichnungen sind). Aus כעירות (in E. r.) laßt sich sowol die Leseart שכרות als die שהחת ableiten. Frankel, Monatsschrift XXII. S. 18