Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine culturgeschichtliche Borajtha und ihre Wandlungen
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 3)
- Language
- German
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272 Eine kulturgeschichtliche Boraitha und ihre Wandlungen. muß mit seiner Armuth dem reichen Rom zur Folie dienen. Gewiß war es auch nicht R. Nathan's Absicht, in seiner ethnologischen Umschau Israel auf agadische Weise zu verherrlichen, sondern er wollte die Summe seiner Kenntnisse von. Völkern und Ländern in kurzen, bezeichnenden Aussprüchen zusammensassen. So züchtigt er die Sittenlosigkeit des üppigen Alexandria, der zweiten Stadt des Römerreiches, er wirft einen Blick auf die in Rom sich häufenden Schätze der Nationen, er bezeichnet Egypten als das gelobte Land der Zauberei, schreibt den Arabern die meiste Gesundheit, aber auch die meiste Thorheit zu, xrwähnt die Meder als die schönsten Menschen, die Perser als die ani meisten von Ungeziefer geplagten, er rühmt die Häßlichkeit der Bewohner des Ostens, sowie die Kraft der Kurden. Diese so realistisch entworfene Skizze ohne weiteres in den Zusammenhang eines agadischen Vortrages zu bringen, ging sicherlich nicht an; die Zu- Hörer hätten weder Trost, noch Erhebung aus ihm geschöpft. Aber als Grundlage weiterer Ausführung eignete sich die Dekade vortrefflich. Gegenüber den physischen Vorzügen oder den Lastern der übrigen Völker und Länder konnte die geistige Erhabenheit Israels und des heiligen Landes hervorgehoben werden. Und dies geschah auf echt agadische Art in den fraglichen Zusätzen unserer Borajtha. Sie berühren keine realen Verhältnisse, sondern Zustände einer ideal gewordenen Vergangenheit, auf welche die Agadisten stets hinwiesen, sie sind, wie mail leicht erkennt, einer agadischell Schriftauslegung entsprungen, nicht wirklicher Beobachtung; und ihr Zweck ist vor Allem die Verherrlichung des jüdischen Volkes. Gehen wir jetzt an die Betrachtung des im Eingänge erwähnten Fragmentes, so ist bald ersichtlich, daß dem Sammler der Aboth des R. N., der die eigenthümliche Einkleidung in Zahlen aufgab, vor Allem die Israel preiseilden Bemerkungen am Herzen lagen, die er denn auch etwas verändert an die Spitze stellt. Den Römern, die zu seiner Zeit gewiß schon herabgekomnien waren, nimmt er den Reichthum und theilt ihm den Medern zu, bei welchen er gewiß das Sassanidenreich irn Auge hat, sowie er auch deren Brudervolks, den Persern, die ineiste Stärke zuspricht. Aegypten behält auch bei ihm die Hegemonie in der Zauberkunde. Die Sittenlosigkeit konnte von dem verfallenden