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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 5 · p. Seite 207

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 5
Article
Ein charakteristischer Psalm
Date
1873-01-01
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
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Ein charakteristischer Psalm. 207 daß sie den Dienern des höchsten Gottes/ weil sie in den höhern Luftregionen schweben, Flügel gaben und sich dieselben in Vogel-, Thier- und Menschengestalt vorstellten (Cherubim), daß sie selbst — natürlich bevor die Israeliten und Araber im höchsten Gott den einzigen erkannten, — der Sonne und den Sterneu Menschenopfer brachten, dem Baal und Moloch dienten, was übrigens auch in den arischen Culten gebräuchlich war, — was verschlägt dieses alles , sagen wir, wenn der Fond ihres Götter- und Gottesdienstes das Streben nach Recht, Gerechtigkeit und Humanität war, Dinge, um welche sich die Götter der ausgebildetsten arischen Mythologie, die Götter Griechenlands, blutwenig kümmerten! — Was wäre die soziale Welt ohne die semitischen Elohim geworden? *) M. Heß. J) Wir können den Deduktionen unseres geehrten Freundes und Mitarbeiters nicht ganz beiftimmen. Um ein Fetzen Mythologie, so hoch sie auch die Apostaten der Theologie und Neophyten des modernen Buddhismus anschlagen mögen, sollte man nicht die" ureigene und reine Lehre des Monotheismus im Judenthum auch nur mit eines Gedankens Nuance preisgeben. Allerdings bestanden Zwischenstufen zwischen dem krassen mythologischen Polytheismus und dem reingeistigen Monotheisnms, welche vom ganzen Volke nicht mit einem Male erklommen werden konnten. Es ist eine Kluft zwischen dem aus der nackten Natürlichkeit geborenen mythologischen Gottesbewußtsein der mit krasser Sinnlichkeit behaftet ist, und der monvtheistischew Gotteserkenntnis;, welche zur Ethik drängt. Daher mögen auch Monotheisten mythologische Wesen mit den: Begriff I h w h der Logik zum Trotze in den Kauf genommen oder beibehalten haben. Als Repräsentant derselben mag I e t h r o gellen: ״I e tz t h a b e i ch e r fa h r e n, d a s; Jh w h g r öß e r ist als alle E l o h i m" (die ich bis jetzt verehrt habe.) Er erkannte noch ihre Existenz an. Aber die Auserwühlten des Volkes haben vom Anfang an den Elohim keinerlei Wesenhaftigkeit beigelegt, sie vielmehr als nichtig und falsch (אלילים שוא,) erkannt und den ganzen mythologischen Plunder verworfen. Der Prophet Samuel warnte das Volk: ״Geht nicht nach den Nichtigen, die nicht helfen und nicht retten können, denn sie sind nichtig" (INN). Jesaia sagte: ״Die Götzen sind Rauch, welcher verschwindet" (2, 18): והאלילים כליל יחלף. Ja, schon im Dekalog ist im zweiten (oder dritten) Gebote gewarnt: ״Du sollst den Namen Jehoh, deü nes Gottes nicht dem Eit len (Falschen, Nichtigen) beilegen" (nur so ist der wichtige Sinn des Verses: לא תישא את שש ה' אלהיך zu verstehen.') Was die eminenten Geister des Judenthums vom ersten Augenblick begriffen haben, dazu brauchte das Volk ein Jahrtausend, bis es im babylonischen Exile den Monotheismus rein aufgefaßt hat. — Der Psalm kann auch anders aufgefaßt werden. Anmerk. d. R.

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