Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein charakteristischer Psalm
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein charakteristischer Psalm. 205 halten sich die Bene Elohim zu diesen; es sind Halbgötter oder Sendboten, die den Dienst zwischen Himniel und Erde versehen, die sich sündhaft mit den Töchtern des Menschen vermischt hat- M, aus welchem verbotenen Umgänge die Herren (Gibborim) entstanden sind und die Sündfluth herbeigeführt wurde. — Auch hier bilden Sitte und Recht, resp. deren Verletzung, den Schlüssel zur semitischen Mythologie, die auch, was ihre hierarchische Genealogie betrifft, einst den verschwommenen, pantheistischen Charakter der arischen Mythologie hat. 3) Den progressiven Charakter des biblischen Monotheismus kann hiernach nicht mehr dem geringsten Zweifel unterworfen sein. Der höchste Gott wird erst in der messianischen Epoche der einzige Gott. Das והיה ביום ההוא יהיה וג׳ ist nicht im figürlichen, sondern im eigentlichen Wortsinne zu verstehen. Erst in der Zukunft, wenn alle Völker die Einheit Gottes erk e« 11 en, wird der Name des höchste:! Gottes der Einig-Einzige sein. Dem muß aber vorhergehen, daß alle Völker wirklich nicht mehr von ihren particnlaren Göttern oder Volksgeistern beherrscht worden, daß also der höchste Gott auch wirklich der einzige sei. Bis dahin e x i st i r e n noch die mythologischen Elohim, zwar nicht neben, wohl aber unter dem höchsten Gotte. Die Propheten und heiligen Sänger der Bibel, welche die große Zukunft vorhersahen, konnten wohl mit Verachtung, Spott und Aerger auf die noch existirenden Götter der astrolairischen Culte herabsehen und ihren Untergang vorher verkünden; aber die ganze Anschauungsweise der Bibel spricht für den danialigen allgemeinen Glauben an deren zeitliche Existenz. Man müßte allen Bibeltexten, vom Dakalog an bis zu den letzten Psalmen , den größten Zwang anthun und die willkürlichste Deutung geben, wollte man dabei denUnglauben an die Existenz der Elohim der semitischen Mythologie voraussetzen. — Dem gegenüber erscheint die Auffassung jener, welche den Monothoisinns der Bibel aus Armuth an Produktivität der semitischen Race erklären, in ihrer ganzen Flachheit und Ignoranz. 4) Wir haben nicht nöthig, unsere heutige Wissenschaftlich e Anschauung der Bibel unterzuschieben, um ihre sittliche soziale, welthistorische Bedeutung geltend zu niachen. Diese Bedeutung tritt vielmehr um so mehr hervor, je weniger wis-