Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein charakteristischer Psalm
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 Ein charakteristischer Psalm. fer, wie in so mancher anderen Beziehung der Ps. 82. — Hier wird der israelitische Gott unter dem Namen Elohim dargestellt in der Versammlung der ebenso benannten semitischen Götter. Ans dem ersten Vers, wie ans dem ganzen Zusammenhang des Psalms geht klar hervor, daß Elohim hier überall, wie übrigens an sehr vielen andern Bibelstellen, gleich bedeutend ist mit שופטים= Richter. Der Unterschied ist nur, daß der israelitische Gott als שופט כל הארץ der h ö chste Richter ist. Nachdem er den semitischen Elohim ihre ungerechten Urtheile, ihre Nachsicht mit den hochgestellten Bösewichtern zum Schaden der Armen und Verwaisten vorgeworfen hat, ruft er ans: ״Sie erkennen und begreifen nicht, wandeln im Finstern, darum wanken die Grundfesten der Erde! Ich dachte mir, ihr seied alle Elohim und Bene Eljon; aber fürwahr, ihr werdet wie der Mensch sterben und wie einer der (menschlichen) Herren fallen." Der Psalmist^ dem die semitischen Elohim offenbar für (bis dahin) unsterbliche Götter gelteir, ruft schließlich in seiner Begeisterung ans: ״Erhebe dich Elohim, richte die Erde» dein! du wirst in allen Völkern die Erbschaft haben!" Dieser Gedanke au die Zukunft der Gottesherrschaft stimmt mit dem ganzen Prophetismns und Messianismus der Bibel, so wie mit dem heiligen Namen Gottes überein, der das Fu turum von Iiava ist. — Aber was vor allen Dingen in diesem Ps. hervorzuheben, das ist der s oz i a l e Charakter der semitischen Götter; sie sind keine blinden N a t u r m ä ch t e, sondern Richter der Menschen und Völker; sie haben einen sittlichen Charakter, und werden nur deshalb gestürzt, weil sie ungerechte Urtheile fällen. 2) Tie Stelle: ״Ich dachte mir .... Bene Eljon" wirft ein unzweideutiges Licht auf die ursprüngliche semitische Mythologie, in welcher eine hierarchische Genealogie vom höchsten Gotte an bis herab zu den Erdbewohnern und noch tiefer herab bis zu den Bewohnerm des Scheol oder der Unterwelt herrschte (von wo aus man sie durch Zauber, aber nur momentan, heraufbeschworen werden konnten, eine Anschauung, die ohne Zweifel dem späteren Auferstehungsglauben zu Grunde lag). — Die Elohim sind Söhne des El Eljon, des höchsten Gottes, der schon vor der sinaitischen Offenbarung in Malchi Zedek seinen Priester hatte. — Wie die Elohim zum El Eljon, so ver-