Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 Zur Halachakritik. uns nicht befriedigen. Maimonides' Grund ist zu einleuchtend, als daß wir seinen originellen Gedanken so leichthin aufgeben sollten. Betrachten wir die gegen diese Begründung sprechenden Stellen kritisch, erfassen wir die Halacha. genetisch, so wird es nicht schwer, von den Widersprüchen, in die Mairnonides gerathen mußte, uns zu befreien. Maimuni's oft gerügten Widersprüche in seinem Codex rühren daher, daß der richtige Commentator der Mischna mit dem Codificator der aus dem späteren Talmud fließenden Halacha in Widerstreit kommen mußtet) Scheiden wir aber beide von einander, verfolgen wir den Gang der Halacha, so finden wir, daß Maimonides' Erklärung unserer Mischnas das Wahre getroffen. Gehen wir vom Sicheren aus. Die ersten vier Punkte *) 0 Vgl. Monatsschrift vorigen Jahrg. S. 88, 155. Obwohl Maimonides die Mischna oft selbstständig erklärt, vergl. Edujot 1, 7 mit b. Talmud Nasir 72, so strebt er doch nach Uebereinstimmung mit dem Talmud, sucht auch im jerusalemischen Talmud gegen den babylonischen eine Stütze, ohne sich darüber auszusprechen. Cr ist aber weit davon entfernt, eigentliche Kritik zu üben. Ein Vorläufer der kritischen Behandlungsweise der Mischna ist R. Eliah Wilna. In seinen Erklärungen zur Ordnung Taharoth, weicht er nicht nur vielfach von den früheren Commentatoren ab, sondern sagt auch zu Oholot 16, 3 ausdrücklich והאי מחניתן לפי גמרא רילן לא אחבררא לן פירושה und erklärt sie nach einer ingeniösen Interpretation einer unverständlichen Jeruschalmistelle. Staunenswerth ist die Klarheit der Vorstellungen, die er uns über die Beschaffenheit der alten Gräber giebt, über die in Babli Baba Bathra 101 die größte Verwirrung herrscht. Die Verhandlung wird dort von Amoräern aus dem letzten Geschlechte geführt, die wohl nie in Palästina gewesen sind, oder die alten Gräber nicht genau sehen konnten. Auch aus Jeraschalmi zur betreffenden Mischna B. B. geht hervor, daß die in Babli gegebenen Vorstellungen falsch sind. Wenn R. Moses Margolit in פגי משה eine Uebereinstimmung in beiden Talmuden zu finden glaubt, so ist dies nur Folge der beliebten Ausgleichungsmethode. 2) lieber סכמת und;פרעות vgl. N. Simson aus Sens und R. Lippmann Heller zu Oholot 8, 2 s. auch R. Eliah Wilna das. Die in Babli Moed Katan 5 b angeführte Boraita, auf welche Heller a. a. O. verweist, ist, verglichen mit Tosifta Schekalim 1 und Jerus. Moed Katan das. falsch angeführt. Nach der richtigen Leseart und der Begründung im Jeruschalmi von פשר המת fällt der in Babli angeregte Widerspruch mit Mischna Oholot 2, 1 fort, und wir bedürfen nicht der gezwungenen Lösung