Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine neue Charakteristik der Semiten
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
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Eine neue Charakteristik der Semiten, 143 eine bei weitem höhere und wichtigere Rolle als bei den Ariern. Kinder zu unterrichten oder unterrichten zu lassen. Wissen verbreiten und namentlich Elementarschulen gründen, wird im Judenthum sowohl als im Islam für eine religiöse Pflicht, für eine Gottgefällige Handlung angesehen. Es giebt in der Thal bis auf den heutigen Tag keinen einzigen Juden, der seine Kinder männlichen Geschlechts nicht unterrichten läßt; für den Unterricht von ganz Armen und Waisen sorgt die Gemeinde. Ganz ähnliche Anschauungen herrschen in dem von Semiten gegründeten Islam. Auf den Idealismus der Semiten führt auch die merkwürdige Erscheinung zurück, daß eine bilderlose Gottes Verehrung von ihnen ausgegangen und fast nur bei ihnen durchgedrungen ist. — Am besten aber äußert sich der Jdealismus eines Volkes in seinen Wünschen und Hofstrungen. Wenn wir aber die Schriften der alten Israeliten lesen, so tritt uns eine großartige Erscheinung entgegen, die einzig in ihrer Art ist. Was wünschte und worauf hoffte dieses Volk? Es wünschte und hoffte, daß eine Zeit kommen werde, in welcher alle Völker der Erde die Wahrheit suchen und finden werden, wo man sich in der Kriegskunst nicht üben, wo allgemeiner Friede herrschen und wo die ganze Erde mit Erkenntniß und Einsicht erfüllt fein werde. Was dachten und denken noch jetzt die arischeu Völker, welche seit anderthalb Jahrtausenden mit der Bibel bekannt sind und dieselbe als ein göttliches Buch verehren, von diesem Idealismus? Erst in den letzten Jahren, nachdem die Kriegsfurie die europäischen Geftlde überreichlich mit Menschenblut getränkt hatte, erhoben einige edle Männer ihre Stimme und predigten das, was Jesaias schon vor zweitausend Jahren verkündet hatte. Aber so lange es Menschen giebt, denen Krieg eine angenehme Zerstreuung ist, die sogar Freude daran finden, giebt es kein Heil für die Menschheit. Wir haben hiermit in gedrängter Zusammenfassung, und meist mit den eigenen Worten des Verfassers, das Bild wiedergegeben, welches er von dem Charakter der Semiten entwirft. Nur zuweilen erlaubten wir uns Abweichungen in der Deduktion und Anordnung von Einzelnheiten. Daß dieses Bild noch mancher Berichtigung fähig ist, daß namentlich bei den kurzen und nur die hauptsächlichen Resultate der Forschung und Beob-