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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 3 · p. Seite 144

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 3
Article
Eine neue Charakteristik der Semiten
Date
1873-01-01
Page
Seite 144 (sequence 14)
Language
German
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144 Eine neue Charakteristik der Semiten. achtung bietenden Darstellung manche Lücke in der logischen Ableitung, nianche Undeutlichkeit unvermeidlich war, wird der Herr Verfasser selbst nicht bestreiten. Nennt er doch fein Werk nur den Versuch einer Charakteristik. Aber dieser Versuch ist dennoch ein bedeutender Anfang dazu, un> dem Eingangs erwähnten Bedürfnisse abzuhelfen, und wir sind überzeugt, daß durch Ergänzung jener Lücken und Mängel mit strikteren Deduktionen und aufklärenden, beweisführenden Belegen aus dem Essay ein wissenschaftliche Anerkennung heischendes Werk erwachsen kann. Aber auch so bildet derselbe eine unbeabsichtigte und um so willkommenere Widerlegung all der vielen in der neuesten Zeit gegen die Semiten in Europa mit Verkennung des wahren Sachverhaltes geschleuderten Anklagen, die den Juden nicht Geringeres als das Verderbniß und die Zersetzung der europäischen Moral und Cultur zuwälzen wollen. Namentlich aber müßten die deutschen Ankläger beherzigen, was der Petersburger Gelehrte von den Analogien zwischen Germanen und Semiten sagte: Die germanischen Stämme sind in Bezug auf Ausgeprägtheit der Individualität unter allen Ariern am meisten den Semiten ähnlich; in Folge dessen die größere Autonomie und Decentralisation bei ihnen und die freie religiöse Forschung. Auch sonst giebt es manche Züge, in denen die Germanen den Semiten ähnlich sind, z. B. die Religiosität und manches Andere. — Daß die bessere Einsicht auch hierin sich wieder allmälig Bahn bricht, beweist die jüngst geäußerte Meinung Virchow's, daß die eingewanderten und germanisirteu Juden ein niächtiges Ferment der deutschen Cultur bilden (Magazin f. Lit. des Auslandes I. 1873 S. 2.); mehr noch das Bekeuntniß eines geistvollen Literarhistorikers, mit dem er seine Besprechung von Rodenberg's Studienreisen in England schließt (Keeyssig in der A. Allg. Zeit. I. 1872 Nr. 356): Wir Deutschen zumal haben alle Ursache, diese unermüdlichen, scharfsinnigen, energischen und talentvollen Mitarbeiter auf allen Gebieten unserer Culturaufgaben willkommen zu heißen, da wir uns gegenseitig in allerersprießlichster Weise ergänzen und sobald wir nur wollen, ganz besonders gut und gründlich verstehen. vr. W. B.

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