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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 3 · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 3
Article
Eine neue Charakteristik der Semiten
Date
1873-01-01
Page
Seite 141 (sequence 11)
Language
German
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Eine neue Charakteristik der Semiten. 14t Aus der dritten Gruudeigenschaft der Semiten, der Gemüthsinnerlichkeit und Neigung zum Jdealismits fließen vorzugsweise diejenigen ,ihrer Charakterzüge, durch welche sie einen Ehrenplatz in der Geschichte und dem Leben der Menschheit einnehmen. Und auch hier ist es der jüdische Stamm, der ganz in den Vordergrund tritt, um als Vorkämpfer seiner Race einen vollen Kranz der schönsten menschlichen Tugenden für die Semiten zu erobern. Ties gilt zunächst von dem ersten Punkte, den Chwolsohn hier hervorhebt, dem religiösen. Die Semiten und namentlich die Hebräer sind die Schöpfer neuer religiösen Begriffe und religiöser Anschauungen, welche selbst den gebildetsten Ariern fast unbekannt waren. Bei diesen hatte die Religion den Charakter eines Compromisses zwischen dem schwachen, hilfsbedürftigen Menschen und dem starke!!, Hilfe spendenden Gott. Religion als Sache des Herzens, religiöse Innigkeit, Liebe zu Gott und Hingebung an denselben, die Idee, daß die Gottheit allgütig und allbarmherzig ist, dies Alles sind Produkte der tief fühlenden Hebräer, denen die Menschheit dafür nicht genug dankbar sein kann. Religiöse Hymnen wie die Psalmen kann kein Volk und keine einzige Literatur der Welt aufweisen, und sie konnten nur unter einem Volke entstehen, welches selbst unter den tieffühlendeu Semiten die erste Stelle einnimmt. Die religiösen Hymnen der Griechen und der alten Juden verhalten sich zu denen der alten Hebräer, wie Feldblumen zu duftenden Rosen und Lilien. — Ein semitisches Volk war es wiederum, das der Hebräer, welches die Menschheit gelehrt hat, Gott als sittliches Princip, als das Ideal der Heiligkeit und Reinheit aufzufassen. Von ihm sind die Lehren der Sittlichkeit ausgegangen, und wir suchen dieselben noch jetzt nicht in den sonst so hochgepriesenen Werken des klassischen Alterthums, sondern in der Bibel. — Auch die Lehren der Humanität, von Ausübung der Milde und Barmherzigkeit auch gegen Sklaven und Thiere, sind von diesem Volke ausgegangen und sie werden noch bis auf den heutigen Tag von Semiten mehr ausgeübt als von Ariern. Wo findet man in den Schriften des klassischen Alterthums ähnliche Vorschriften der Milde und Liebe, wie sie die Bibel unzählige aufweist? Auch in der rabbinischen Literatur des Mittelalters finden sich tausende von Vorschriften,

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