Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine neue Charakteristik der Semiten
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
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138 Eine neue Charakteristik der Semiten. anders; kommen doch selbst Plato und Aristoteles darin überein, daß das Indio, sein größtes Glück im Staate finden müsse, indem es nur sür den Staat lebe und ihm diene. Ein Staat wie der spartanische wäre unter Semiten eine Unmöglichkeit. — Deshalb hatten die Semiten auch in der Regel keine stehenden Heere, in denen der einzelne Soldat sich vollkommen dem Willen seines Vorgesetzten unterwirft, sondern nur eine Bürgermiliz, die entweder durch irgend ein Interesse oder eine Idee zusammengehalten wurde. — Zuweilen artet die scharfe Individualität des Semiten zum schroffen Eigenwillen aus und wird zur Quelle vieler Schattenseiten. Es fehlte ihnen an Einheit, Zusammen- Hang, Eintracht und strenger Ordnung. — Aus demselben Grunde haben sie selten große Staaten gegründet, und wo dies geschehen ist, war der Bestand nicht von langer Dauer und der Zusammenhang der einzelnen Glieder des Staates ein lockerer, indem die Letzter» nicht vom großen Staate absorbirt wurden, sondern innerhalb desselben ein selbständiges Leben führten. Bei den Semiten herrschte immer Decentralisation, bei den Ariern fast bis auf den heutigen Tag Centralisation. Einem unfehlbaren Papste, dein gegenüber man die eigene Individualität in gewisser Beziehung völlig aufgeben muß, würden sich Semiten niemals unterwerfen. Gegen hundert Millionen Arier thun dies. Im Vafikan sitzen große Menschenkenner, welche sehr gut wissen, was sie thun. Sie wissen, daß die Arier im Großen und Ganzen für ein solches Dogma empfänglich sind, und sie haben auch darin Recht; denn als Beweis dafür können die Perser dienen, unter denen׳, obgleich Muhammedanern, die im Grunde ganz unnmhammedanische Lehre von einem unfehlbaren geistlichen Oberhaupt, Imam genannt, dem man unbedingten Gehorsam schuldig ist, am meisten Eingang gefunden hat. Mit diesem Charakterzug der Individualität läßt sich auch die Religion der Semiten am besten verstehen. Rönans Theorie hatte hierin die meisten und berechtigtesten Angriffe erfahren. Chwolsohn gelingt es mit der Annahme dieses Hauptzuges im semitischen Geiste auch auf die Religion der heidnischen Semiten ein Helles Licht zu werfen. Ihre Gottesidee drückt sich in der Verehrung der Gestirne, bestimmter Geister, und eines einzigen außerweltlichen persönlichen Gottes aus. Gott und die Welt