Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine neue Charakteristik der Semiten
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
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Eine neue Charakteristik der Semiten. 137 aber sie sind es sicher, die eine dunkle Idee der Aegyptsr richtig benutzt, ausgeführt und weit verbreitet haben. Die Semiten sind es auch gewesen, welche Drittel erfunden haben, die Gegenstände zu wiegen und Raum und Zeit zu messen. Die Zeiteintheilung auf unfern Uhren rührt noch von den fem. Babhloniern her. Mehr noch als im Dichten und Denken giebt sich die scharfe Individualität des semitischen Geistes in den social-politischen Verhältnissen und in den religiösen Anschauungen zu erkennen. Durch sie gewann vor Allem die gesellschaftliche Ordnung inner, halb der semitischen Völker ein von der socialen Gliederung der Jndogermanen grundverschiedenes Aussehen. Der Semite kennt weder die Geburtsaristokratie, den Feudalismus, noch das Kastenwesen indogermanischer Nationen. Es herrschte bei ihnen eine große Achtung der Individualität und in Folge davon auch eine große persönliche Freiheit und völlige Gleichheit, besonders vor dem Gesetze; die mosaischen politisch-socialen Institutionen sowie auch das Leben und die Gesetze der Araber beweisen dies zur Genüge. — In den semitischen Staatengebilden, selbst den monarchischen, herrschten daher größtentheils demokratische Ein- Achtungen und Autonomie. Die mosaischen Staatsinstitutionen beruhen ganz auf den Prinzipien völliger Gleichheit und der vollkommensten Autonomie: Das ganze Volk sowohl wie jedes einzelne Dorf sollte sich selbst regieren, und so geschah es auch, zum Theil sogar zur Zeit der Könige. Der arabische König, Scheich oder Stammeshäuptling , ist nur ein primas inter pares, er wurde gewählt und sein Amt war nicht erblich. Selbst das Chalifat beruhte ursprünglich auf ganz demokratischen Prinzipien. Sein Despotismus datirt sich eigentlich erst von der Zeit, wo der Sitz der Regierung durch die meist von Persern unterstützten Abbasiden nach BagdSd verlegt worden war. Hier bestand der Stock der Bevölkerung aus arischen Persern. Hier umgaben sich die Chalifen mit persischen Truppen und persischen Ministern, wie z. B. den Bermekiden und andern Vesieren persischer Herkunft. — Der Semit wurde wegen seiner scharf ausgeprägten Individualität niemals vom Staat absorbirt; seine Staatsidee war mehr eine moderne, daß nämlich der Staat zum Schutz der einzelnen Individuen vorhanden ist. Bei den Ariern war es