Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine neue Charakteristik der Semiten
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
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Eine neue Charakteristik der Semiten. 185 zugsweise mit realen Wissenschaften, wie Astronontie, Mathematik, Medicin u. s. w., worüt sie zum Theil zuerst die Elementarlehrer der Arier ivaren und dann die eifrigsten und begabtesten Schüler derselben wurden. Wenn aber Rönan behauptet, daß die Semiten gar keilte Wissenschaft hatten, so mußte dies das Erstaunen aller Kenner der semitischen Literaturen erregen, welche wissen, daß in der arabischen, hebräischen und zum Theile auch in der syrischen Literatur die Schriften, welche von Astronomie Mathematik, Medicin, Chemie, Erdkunde, Botanik, Zoologie rc. handeln, nach Tausenden gezählt werden können. Daß die Semiten auch selbstständige Wege in der Wissenschaft gehen können, zeigten z. B. im Alterthum die Erfindungen der Zeit- und Raummessmlgen, die sorgfältigen astronomischen Beobachtungen durch die Babylonier, sowie das große Werk über Landwirthschaft des Puniers Mago, des pater rustivationis. Was aber ihre wisienschaftliche Thätigkeit im Mittelalter anbetrifft, so haben sie einige Fächer, wie z. B. Astronomie und Mathematik sicher weiter entwickelt; über den Werth ihrer Arbeiten in den anderen Fächern aber läßt sich noch gar kein bestimmtes Urtheil fällen, da die Arbeiten der Araber und Juden auf diesem Gebiete noch gar nicht genügend untersucht sind, weil den Orientalisten zu viel von den. Naturwissenschaften und den Naturforschern die Kenntnis; der orientalischen Sprachen abgeht. Auch die Philosophie der Semiten hat einen nüchternen, man möchte fast sagen, praktischen Charakter; wir erinnern nur an die Beweise für das Dasein Gottes im alten Testament. Die Semiten beschäftigten sich fast nur mit solchen philosophischen Fragen, die gewissermaßen eine unmittelbare praktische Bedeutung für das Leben haben, und philosophirten nie ins Blaue über unerforschliche Dinge. Die Behauptung Renan's, daß die Semiten gar keine Philosophie hatten , und daß die Philos. der Araber nur eine pbilasupbis Krsoqus 6crite en arabe war, ist entschieden unrichtig; denn wer kann behaupten, daß die Lehren der Semiten von der Schöpfung, über das Verhältniß des Menschen zu Gott, sowie auch die semitische Weltanschauung überhaupt nicht Produkte philosophischer Reflexionen seien? Nur die Form, in der diese phil. Lehren von den Semiten vorgetragen wurden, ist verschieden von der der Arier älterer und neue-