Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 6)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 121 keine Zeit dazu, sondern sagte: ״Schweig, Du bist ein Dieb; man hänge ihn auf!" So endigten denn die Kinder mit großer Freude ihr Spiel, indem sie in die Hände klatschten und auf den angeblichen Verbrecher losstürzten, als wollten sie ihn zum Galgen führen. Harun Arraschid war über das scharfsinnige Urtheil des Knaben in der Sache, die er selber morgen zu schlichten hatte, überrascht und ließ zu der morgigen Verhandlung außer den Partheien, den Sachverständigen und dem Khadi noch den Knaben citiren. Der Knabe wurde zu Seiten des königlichen Thrones gesetzt und die Partheien mußten ihre Streitsache den! jugendli- Ken Richter vorlegen, der das gestern zum Scherz gefällte Urtheil heute in aller Form Rechtens wiederholte. Der Sultan gab dem anwesenden Khadi die Mahnung, daß er von einem Kinde lernen solle, sein Amt pünktlicher zu verwalten; dann küßte er das Kind und schickte es mit einen Beutel von 100 Goldstücken zu seiner Mutter zurück. Dieselbe Geschichte wird in den 1 מ ש ל ים ש ל שלמה ה מ ל,') den Gleichnissen des Königs Salomo wiederholt. Eine Frau, die um den Nachstellungen eines Fürsten zu entgehen, flüchten muß, übergiebt einem Freunde einige Krüge mit Honig zur Aufbewahrung, auf deren Grund sie ihr ganzes Vermögen gelegt hatte. Der Freund nimmt bei Gelegenheit eines Familienmahles von den ihm anvertrauten Honig und entdeckt die Goldstücke, er entleert die Krüge und füllte sie ganz mit Honig. Die Frau kehrt zurück und es wiederholt sich die oben geschilderte Scene. Der Richter weist sie ab, weil sie keine Zeugen beibringen kann. Sie wendet sich an den König Saul, der sie an das Synhedrion verweist, wo sie jedoch gleichfalls wegen Mangels an Zeugen abgewiesen wird. Die Frau traf bei ihrer Rückkehr vom Gerichtshöfe David, den künftigen König Israels, der zur Zeit als Knabe die Schafe weidete und mit andern Kindern spielte, (והוא שוחק עם הנערים) beklagte sich bei den Kindern über die Verweigerung der Nechtshülfe von Seiten des Gerichtes und forderte die Kinder ') Mehrfach gedruckt, zuerst 1516: wieder abgedruckt in Iellinek's Beth hamidrasch 1Y, wo unsere Erzählung auf S. 150—151: חמשה כאדם אחד שהיה ביחי שאול מלך ישראל וכו' zu lesen ist.