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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 3 · p. Seite 119

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 3
Article
Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
Date
1873-01-01
Page
Seite 119 (sequence 4)
Language
German
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Em Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 119 von den Goldstücken sei ihm Nichts bekannt. Ali brachte die Angelegenheit vor den Kadhi, mußte jedoch unverrichteter Sache abziehen, da sein Freund einen Eid leistete, daß er nicht das Geringste von den Goldstücken gewußt habe. Ali reichte bei dem Chalifen Harun Alraschid ein Bittgesuch ein und wtrrde auf den folgenden Tag beschieden. Am Abend desselben Tages machte der Chalif mit dem Großvezier Djafar und Masrur, dem Oberhaupt der Verschnittenen, alle drei verkleidet, seine gewöhnliche Runde durch die Stadt. In einer Straße hörte er Lärnr. Zehn bis zwölf Kinder spielten bei Mondschein in einem Hofe. Harun setzt sich auf eine Bank, um zuzusehen. Der lebhafteste und aufgeweckteste der Kinder sagt zu den andern: ״Wir wollen den K h a d i s p i e l e n. Ich bin der Khadi und ihr müsset mir den Ali Chodjah und den Kaufmann, der ihm die 1000 Goldstücke gestohlen hat, vorführen." Bei diesen Worten des Kindes erinuerte sich der Chalif an die Bittschrift, die ihm an demselben Tage überreicht worden war und verdoppelte seine Aufmerksamkeit, um zu hören, wie der Urtheilsspruch lauten würde. Jetzt nahm der Kadhi das Wort und fragte in gewichtigem Tone Ali Chodjah: ״Ali Chodjah, was begehrst Du von diesem Kaufmann?" Der angebliche Ali Chodjah verbeugte sich tief und trug dann die Sache Punkt für Punkt dem Kadhi vor; zuletzt bat er ihn demüthiglich, daß es ihm gefallen möge, mit seinem richterlichen Ansehen dazwischen zu treten, damit er nicht eine so bedeutende Summe einbüßen müsse. Als der kleine Kadhi den Klüger angehört hatte, wandte er sich nach dem Kaufmann und fragte ihn: warum er dem Ali Chodjah die Summe nicht zurückgebe, die er von ihm verlange? Der angebliche Kaufmann brachte dieselben Gründe vor, die der wirkliche vor dem Kadhi von Bagdad angeführt hatte, und verlangte gleichfalls, die Wahrheit seiner Aussage durch einen Eid bekräftigen zu dürfen. ״Wir wollen uns nicht übereilen," versetzte der Kadhi; ״bevor Du schwörst, wünsche ich das Olivengefäß zu sehen. ״Ali Chodjah," fuhr er dann gegen den Knaben fort, der diese Rolle übernommen hatte, ״hast Du das Gefäß mitgebracht? Als dieser antwortete, er habe es nicht bei sich, so sagte er zu ihm: ״Nun so gehe hin und hole es." Ali Chodjah verschwand auf einen

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