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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 2 · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 2
Article
Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
Date
1873-01-01
Page
Seite 82 (sequence 22)
Language
German
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82 Nabbmische Agada's in 10Ö1 Nacht. genden Morgen dem Schmiede: ״Ich habe gehört, welche wunderbare Gabe dir Gott verliehen, und nun sehe ich gar iricht, daß du wie ein von dem Herrn besonders Begnadigter lebst; wie bist du denn zu dieser Auszeichnung gelangt?" ״Das will ich dir erzählen," erwiederte der Schmied. ״Ich liebte einst sehr leidenschaftlich ein Mädchen, das aber so tugendhaft war, daß alle ureine Bemühungen, sie zu besitzen, fruchtlos blieben. Während ich nun einmal in einem schrecklichen Hungerjahr zu Hause saß, klopfte es an meiner Thüre; ich ging an die Thürs, um nachzusehen, wer zu mir wollte, und siehe da, es war das Mädchen, das ich liebte, und es sagte: ״Mein Freund, ich bin hungrig, erhebe mein Haupt zu dir, daß du für Gottes Sache mir Etwas schenkest." Ich erwiederte: ״Weißt du nicht, was ich um deinetwillen leide und wie die Liebe zu dir mich schon so lange martert? Ich werde dir daher Nichts schenken, bis du mich erhörst." Das Mädcheir antwortete: ״Lieber vor Hunger sterben, als eine Sünde gegen Gott begehen," und ging wieder fort. Nach zwei Tagen kam sie wieder und forderte wieder zu essen; ich gab ihr wieder dieselbe Antwort, nahm sie ins Zimmer und hieß sie sitzen, denn sie war sehr schwach und elend. Als ich ihr dann Speisen vorlegte, flössen Thräneu aus ihren Augen und sie sagte: ״Speise mich zu Ehren Gottesaber ich erwiederte: ״Bei Gott! nicht eher, bis du mich umarmst." Da stand sie auf, ließ die Speisen stehen und sagte: ״Ich will lieber den Tod, als die Strafe Gottes." Nach zwei Tagen klopft es wieder an der Thüre und als ich herausging, sah ich das Mädchen wieder und es sagte mir mit einer vom Hunger geschwächten Stinune: ״Meine Kraft ist dahin und ich vermag es nicht, von einen: Andern als von dir Etwas zu fordern; speise mich doch zu Ehren Gottes." Ich erwiederte: ״Nicht eher, bis du meinen: Verlangen nachgiebst." Sie trat ins Ziminer und setzte sich; da ich keine Speisen hatte, ztindete ich Feuer an, kochte Etwas, stellte es ihr in einer Schüssel vor und dachte: Dieses Mädchen muß wohl verrückt sein, da es so sehr von Hunger geplagt ist und dennoch meine Anträge verwirft; aber es verweigerte mir standhaft meine Bitte, bis ich mir selbst Vorwürfe :nachte über mein sündhaftes Begehren und, mich reuevoll zu Gott bekehrend, endlich sagte: ״Hier hast du zu essen, fürchte Nichts, ich gebe

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