Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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*78 Rabbinische Agada's in 1001 Nacht. H. Die Werftchurg.*) So wird auch erzählt: Es wohnte einst auf eiuem Berge ein sehr verständiger, religiöser und tugendhafter Hirt, der von der Milch und Wolle seiner Heerde lebte.Aber Gott wollte den Einsiedler prüfen, er schickte ihm daher einen Engel i n d e r Gestalt einer s e h r s ch ö n e n F r a u, die sich zu ihm setzte. Als der Einsiedler sie sah, zitterte sein ganzer Körper und er sagte ihr: ״Was ruft dich hierher? Was haben wir niiteinander gemein, daß du zu mir kommst?" Sie antmortete: ״O Mensch! siehst du nicht wie reizend und schön ich bin und welchen Wohlduft ich verbreite? Weißt du nicht wie sehr du einer weiblichen Pflege bedarfst? Warum willst du mich denn verstoßen? Was schadet dir meine Gesellschaft, da inir doch deine Nähe so theuer ist, daß ich dir Alles gewähren und gar nichts versagen will? Wir haben ja hier Niemanden zu fürchten, wir sind ja allein und du wohnst ja so einsam auf diesem Berge, daß es dir nur erwünscht sein kann, ein weibliches Wesen bei dir zu haben, das dich bedient; du wirst auch sehen, daß du butcfj meine Nähe gewiß bald wieder gesund wirst, und es tief bereuen, so lange abgesondert von Frauenzimmern gelebt zu haben; komm zu mir und folge meinem Rathe." Der Hirt antwortete: ״Verlaß mich, du trügerisches Weib! ich mag deine Nähe und deine Liebe nicht; wer sich hier seiner Leidenschaft hingiebt, dem bleibt jene Welt verschlossen; nur wer hier allen Freuden entsagt, dein werden die des Paradieses zu Theil; wehe dein, der durch deine Nähe in Versuchung kömmt und von deinen Liebkosungen sich täuschen läßt. — Darauf erwiederte der Eilgel: ״O Frauenfeind, der du vom rechten Wege abirrst, sieh mich nur an und ergötze dich an meinen Reizen, wie schon anbere weise Männer vor dir gethan, die besser und erfahrener als du waren; laß ab von deinem Eigensinn, du wirst es sonst bereuen." Aber der Hirte versetzte: ״Du bist ein trügerisches Weib, ich werde fortleben in meiner Enthaltsamkeit und Gott zu Hülfe rufen gegen jede Gemeinschaft mit dir; wie manchen Frommen magst du schon ver- ') 1001 Nacht von G. Weil II, 429