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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 2 · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 2
Article
Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
Date
1873-01-01
Page
Seite 77 (sequence 17)
Language
German
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Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 77 der Baum bedeutet die thierische Lust, und der Wächter den Verstand, der vor dem Bösen warnt, und das Gute empfiehlt; darum müssen a u ch Körper und Seele Lohn und Strafe mit einander 11) eilen. Die ganze Ausführung ist dem Gespräche zwischen dem Kaiser Antoninus und Rabbi in Synhedr. 91 ab entnomnlen: Antoninus sprach zu Rabbi (N. Jehuda hanasi): Körper und Seele können sich gegen seitg von Schuld f r e i s p r e ch e n. Der Körper sagt: Tie Seele ist's, welche die Sünde begeht, denn seitdem sie sich von mir getrennt hat, liege ich regungslos gleich einem Steine. Die Seele wiederum sagt: der Körper ist es, welcher die Sünden begeht, denn seitdem ich mich von ihm getrennt habe, schwebe ich dem Vogel gleich in den Lüften. — Rabbi erzählt zur Widerlegung dieser Ansicht das folgende Gleichniß: Ein König besaß einen schönen Garten mit prächtigen Feigenbäumen und bestellte für denselben zwei Wächter, einen lahmen und einen blinden. Der Lahme sprach zum Blinden: Ich sehe schöne Feigen im Garten, lade mich auf Deine Schultern, damit wir dieselben holen und verspeisen. Nachdem dieser Vorschlag ausgeführt ward, kam der König in den Garten und vermißte die Feigen. Der lahme W achter, zur Rede gestellt, entschuldigte sich: Habe ich denn Füße, unr mich von der Stelle zu bewegen? Der Blinde sprach: Ich habe doch keine Augen, um zu sehen. Da ließ der König den Lahmen auf den Schultern des Blinden reiten und ׳.nachte sie gemeinschaftlich für das Geschehene verantwortlich. Also macht es auch Gott, er zieht Leib und Seele für die begangenen Sünden gemeinschaftlich zur Rechenschaft, wie es bei dem Psalmisten (Ps. 50, 4) heißt: Er ruft den Himmel droben (das Himmlische die Seele) und die Erde (das Irdische, den Körper) vor seinen Richterstuhl. Diese Fabel vom Lahmen und Blinden, die einander forthelfen, ist weitverbreitet, Beispielsweise auch in den 6681a Romanorum c. 71 (Von der Vergeltung der ewigen Heimath) wiederholt.

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