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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 2 · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 2
Article
Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
Date
1873-01-01
Page
Seite 76 (sequence 16)
Language
German
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76 Rabbimsche Agada's in 1601 Nacht. süßen Früchte gekostet hatten, schmeckten sie ihnen so gut, daß sie nach mehr gelüsteten. Der Lahme und der Blinde theilten einander ihr Verlangen mit; der Lahme bedauerte, nicht zu den Früchten gelangen zu können, und der Blinde sie nicht zu sehen. Während sie so nach diesen Früchten schmachteten, kam der Wächter zu ihnen und fragte sie, warum sie so traurig wären; als sie ihm die Ursache gestanden, rief er ihnen zu: ״Wehe euch; habt ihr nicht gehört, wie der Eigenthümer des Gartens euch gewarnt hat. Nichts im Garten zu verderben? Bezähmet daher Eure Begierde, sonst wird er euch aus seinem Garten jagen- Aber sie ernüederten: ״Wir müssen von diese׳: Früchten haben, der Eigenthürner wird Nichts merken; wir bitten dich, uns nicht zu verrathen und rrns ein Mittel anzugeben, wie wir unsere Begierde befriedigen könneu." Als der Wächter sah, daß sie seinem Nathe nicht folgen wollten, sagte er zunr Blinden: ״Nichte dich auf und nimm den Lahmen auf deine S chu l tern, er wird mit seinen Augen dich leiten und du mit deinen Füßen ihn zum Baume tragen; ich entferne mich, und ihr könnt dann eure Lust stillen." Der Blinde erhob sich sogleich, nahm den Lahmen auf die Schultern nud trug ihn an den Baum hin, wo sie nun Früchte pflückten und Zweige zusammenrissen und den ganzen Garten zertraten. Sobald der Eigenthümer des Gartens aber heimkehrte und den ganzen Garten in Unordnung fand, ging er zornig auf sie los und sagte ihnen: ״Was habt ihr gethan? ist das der Lohn dafür, daß ich euch in nieineiu Garten gelassen und euch von dessen Früchten gereicht habe? Konntet ihr so mein Vertrauen mißbrauchen?" Sie antworteten! ״O Herr! du weißt doch, daß wir nichts verderben konnten, der Eine ist ja blind und der Andere lahm." Aber er erwiederte: ״Wollet ihr eure That auch noch leugnen? glaubt ihr, ich wisse riicht, wie ihr es gemacht? Hättet ihr eure Schuld gestanden, so würde ich euch eures Wegs gehen lassen; weil ihr sie aber noch leugnet, verdient ihr bestraft zu werden." Er jagte sie hierauf aus dem Garten und warf sie in einen Kerker, wo sie umkamen. — ״Tie Bedeutung dieser Parabel," fuhr der Prinz fort, ״ist folgende. Der Blinde stellt den Körper vor und der Lahme die Seele; der Garten ist das Bild der Welt, der Eigenthümer des Gartens ist Gott der Schöpfer;

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