Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 71 verkaufte nämlich jeden Tag die gesponnene Baumwolle und kaufte daftir rohe ein, und lebte so von dem Gewinn mit seiner Familie. Eines Tages, als er die Baumwolle verkaufte, traf er einen Freund, der in solcher Noth war, daß er ihm das eben gelöste Geld schenkte und zu seiner Familie ohne rohe Baumwolle und ohne Lebensmittel zurückkehren rnußte. Als er seiner Familie erzählte, daß er all sein Geld einem unglücklichen Freunde geschenkt, fragten sie: ״Was fangen wir nun an?" Da nahm der Mann einen alten Wasserkrug und eine alte Mütze, die er noch im Hause hatte, und ging damit auf den Markt, aber Niemand wollte sie kaufen. Endlich ging ein Mann mit einem übelriechenden Fische vorüber und sagte ihm: ״Willst Du mir Deine ungangbare Waare für die meinige geben?" Der Israelit willigte ein, gab ihm den Wasserkrug und die Mütze, und ging mit deni Fische zu seiner Frau und sagte: Brate diesen Fisch, daß wir doch einstweilen nicht hungern, bis uns Gott das Weitere beschert." Da spaltete die Frau den Fisch, und siehe da, es war eine Perle darin, die nicht durchlöchert war. Am folgenden Morgen ging der Israelit damit gu einem sachverständigen Freunde, um sie ihm zu zeigen. Dieser fragte den Jsraeliten, woher er diese Perle habe. Er antwortete: ״Gott habe sie mir beschert." — ״Nun," sagte der Freund, ״sie ist tausend Drachmen werth, die ich Dir gern dafür geben will; doch gehe lieber damit zu N. N., der reicher ist als ich." Der Israelit ging danrit zu dem bezeichneten Mann und dieser sagte: ״Sie ist 7 0,0 0 0 Dra ch m e n werth, mehr nicht." Der Israelit ließ sich das Geld geben und rief zwei Lastträger, die es ihm bis zur Thüre seiner Wohnung trugen. Als er hier anlangte, kam ein B ettler und sagte: ״Gieb mir auch Etwas von dem Gelde, das Dir Gott beschert!" Der Israelit antwortete: ״Gestern mar ich eben so arm als Du, nimm daher die Hälfte dieses Geldes." Nachdem nun der Israelit das Geld in zwei Theile getheilet hatte und dem Bettler die eine Hälfte übergeben wollte, sagte dieser: ״Behalte Dein Geld, Gott segne Dich! Ich bin ein Abgesandter Deines Herrn, hierher beschieden, unl Dich zu versuchen." Der Israelit sagte: ״Gott sei gelobt und gepriesen!" und lebte dann mit seiner Familie im größten Wohlstände bis zu seinem Tode.