Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 2 · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 2
Article
Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
Date
1873-01-01
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829430-2829433-2867013--14601-2867042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 67 des Fleisches antwortete der Fleischer: ״Wir hatten ein säugendes Schass dessen Mutter starb, so ließen wir denn dasselbe durch eine Hündin säugen. Gestern Abend war unser Fleischvorrath knapp und wir konnten Dir deßhalb kein anderes Fleisch als von jenem Schafe verabfolgen." Da dachte der Wirth: in zwei Dingen (Bett und Fleisch) haben die Männer Recht, in zweien Unrecht. Darauf verfügte er sich zu dem Weinhändler und verlangte von demselben Wein, den er ihm gestern abgekauft hatte. Es war keiner mehr vorhanden. Nach der Beschaffenheit des Weines befragt, antwortete der Weinhändler: Ich hatte einen Weinstock auf das Grab meines Vaters gepflanzt und den Wein von dieseiu Stocke besonders gekeltert und in Fässern verwahrt. Als Du gestern am Abend Wein verlangtest, war unser Weinvorrath ausgegangen und ich mußte Dir von dem eben bezeichneten Weine verabfolgen." ״Also — dachte der Wirth — haben die Männer in drei Dingen Recht und nur im vierten Unrecht," ging aber trotzdeni zu seiner Mutter und richtete an sie die Frage: ״Wessen Sohn bin ich?" ״Deines Vaters Sohn" antwortete die Mutter. ״Sage mir dievolle Wahrheit, versetzte der Sohn, sonst schlage ich Dir den Kopf ab." — ״So wisse denn"— sprach die Frau — Dein Vater hat keine Kinder gezeugt und da ich fürchtete, daß üach dem Tode Deines Vaters die Verwandten das ganze Vermögen au sich reißen würden, so pflegte ich ehebrecherischen Umgang. Habe ich etwa Böses gethau, daß ich Dir dadurch zu Deinem gegenwärtigen Reichthum verholfen habe?" Da sprach der Wirth: Missen wir das mitansehen, daß die Männer von Jerusalem hierherkommen und uns Alle zu Bastarden machen? Lastet uns eine Vereinbarung treffen, daß wir keinen von ihnen je bei uns beherbergen. Diese auch in den Nigäristän (Bildersaal) des Kazwini auf genommenen Geschichten sind mit größeren oder geringeren Abweichungen in die europäische Märcheuliteratur gedrungen und werden in der italienischen Novellensammlung il Novellino oder Cento novelle Antiche (Ende des 13. Jahrhund.) und Voltaire's Zadig o. 3 : le einen et le cheval wiederholt. Weitere Nachweise siehe bei Dunlap Geschichte der romantischen Prosa, übers, von Liebrecht S. 212, 401 und 487, Anm. 281—282.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.