Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
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66 Rabbinische Agada's in 1061 Nacht. mit deinem einzigen Auge, daß die Kameelstute einäugig ist?" ״Ich sehe, daß die eine Seite des Weges abgeweidet, die andere hingegen unberührt ist."—״Woher weißt Du, daß sie mit zwei Jungen trächtig ist?" — ״Sie lagerte sich auf den Boden und die Spuren der beiden Jungen im Mutterleibe drückten sich im Sande ab." — ״Woraus schließest Du, daß sie zwei Schläuche mit Wein und Essig gefüllt trägt?" ״Die Spuren des herabtröpselnden Weines haben sich in den Boden eingesaugt, die des Essigs sind flüssig und sichtbar." — ״Woraus ersiehst Du, daß der Kameeltreiber ein Heide ist?" ״NnrHeidenurinirenaufoffenerStraße,Jsraeliten gehen abseits." — ״Woher weißt Du, daß sie uns nicht weiter als vier Mil voraus ist?" ״Nur vier Mil weit und nicht weiter sind die Fußspuren eines Kameels sichtbar." Die zweite Erzählung im Midrasch lautet: Vier Männer aus Jerusalem kamen nach Athen und mietheten sich bei einenr Wirthe ein. Des Abends bereitete er ihnen eine Mahlzeit und während sie speisten, machte er ihnen vier Betten zurecht, von denen eines zerbrochen und durch das andere gestützt war. Als sie zu Bette gingen, dachte der Wirth: Da ich gehört habe, daß die Jerusalemer sehr kluge Leute sind, so will . ich ihre Gespräche belauschen und nahm sein Lager über den ihrigen. In der Nacht stand der Eine, der int zerbrochenem Bette ruhte, auf und sprach zu den Andern: ״Glaubet ihr, ׳daß ich in einem Bette liege, o nein, ich schwebe vielmehr im freien Raume und werde bald aus der Erde gebettet sein." Der zweite sagte: ״Das Fleisch, das wir zur Abendnrahlzeit verspeist haben, hatte den Geschmack von Hundefleisch." ״Auch der Wein, den mir tranken — fügte der dritte hinzu — hatte einen Grabesgeschmack." — ״Darüber wundert ihr euch —• versetzte der Vierte — ist ja doch auch der Herr dieses Hauses nicht der Sohn seines angeblichen Vaters." Als der lauschende Wirth diese Rede gehört hatte, sprach er zu sich selber: In einenr Punkte (des zerbrochenen Bettes) habet ihr die Wahrheit, in ben übrigen Unwahrheit geredet. Des Morgens ging er zuur Fleischer und erbat sich vcn demselben Fleische, das zur gestrigen Abendmahlzeit gedient hatte, doch war keines mehr vorhanden. Auf die Frage des Wirthes nach der Beschaffenheit