Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829430-2829433-2867013--14597-2867038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Cm Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 63 älteste Prinz, der sich eins von den Broten genominen hatte. ״Dieses Brot ist gewiß von einem kranken Weibe gebacken worden." Der zweite, der von einem Zicklein kostete, rief aus: ״Dies e s Z i ckl ein wurde von e i n e r H ii n d in gesäugt;" und der dritte rief aus: ״Dieser Sultan ist gewiß ein untergeschobenes Kind." In diesen: Augenblick trat der Sultan, welcher gehorcht hatte, plötzlich ein, und rief aus: ״Warum führt ihr solche beleidigende Reden?" — ״Forsche," eriviederten die Fürsten, ״dem nach, was Du gehört hast, Du wirst alles richtig finden." Der Sultan begab sich in seinen: Harem, und erfuhr, als er nachfragte, daß das Weib, welches das Brot geknetet hatte, krank war. Er sandte hieraus zu den: Hirten, welcher gestand, daß, da die Mutter des Zickleins gestorben wäre, eine Hündin es gesäugt hätte. Hierauf stürzte er irr heftiger Bewegung in das Zimmer der Sultanin-Mutter, und bedrohte sie, sein Schwert schwingend, mit dem Tode, wenn sie nicht bekennte, ob er wirklich der Sohn des verstorbenere Sultans wäre, oder nicht. Die Sultanin erschrak, und sagte: ״nur mein Leben zu erhalten, muß ich die Wahrheit gestehen. Wisse .also, daß Du der Sohn eines Kochs bist. Dein Vater hatte keine man nl i ch e Nachkommen, worüber er sehr unmuthig war. Da nun das Weib unsres Kochs mit mir an eurem Tage gebar, — ich eine Tochter und sie einen Sohn, — so schob ich diesen dem Sultan, dessen Kälte ich fürchtete, unter, und dieser Sohn bist Du, der Du jetzt ein Reich beherrschest." Der uneheliche Sultarr verließ die Sultanin, in Erstaurren über den Scharfsinn der Brüder, die er in seine Gegenwart berief und befragte, auf welche Gründe sie ihre richtige Vermuthungerr über das Brot, das Zicklein und ihrr selbst gestützt hätten. ״Herr," arrtwortete der älteste Fürst, als ich das Brot brach, zerfiel der Teig; woraus ich schloß, daß die Bäckerin nicht Kraft gerrug besessen hätte, rrm ihn hinlänglich zu kneten, und unwohl gewesen sein müßte." — ״Es ist wie Du gesagt," erwiederte der Sultan. ״Das Fett des Zickleins," fuhr der zweite Bruder fort, ״war durchaus nahe an den Knochen, und bei jedem anderen Thiere, den Hrrnd ausgenommen, liegt es dicht unter der