Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über den Begriff der Liebe [Rezension]
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 565 (sequence 8)
- Language
- German
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Recensionen. 565 Zeit soll wohl nur eine Periode in der jüdischen Geschichte bezeichnen. So ganz unschuldig ist der Ausdruck freilich nicht. Wir aber müssen daran festhälteu, daß, wenn der Begriff einmal jiidischen Ursprungs ist, er auch lange vor der ueutestameutlichen Zeit zu seiner vollen Stärke gelangt sein muß. Auch die Zeit der durch die Proknratoren ausgeübteu Nömerherrschaft mit ihren unaufhörlichen Wirren war nicht dazu augethan, die Blüthe einer über alle nationalen Schranken hinwegscheiden den Menschenliebe zu erzeugen. Wer die Liebe nicht als eine neue Offenbarung ansieht, der muß sich auch entschließen können, auf dieses historische Zusammentreffen Verzicht zu leisten. Ist die Liebe ein Ausfluß des jüdischen Geistes, so kann sie in ihrer umfassendsten Gestalt nicht gerade zur Zeit des schlimmsten Druckes von Außen ausgetreten sein. Gehen wir nun noch kurz auf die sprachliche Seite der vom Verf. gelieferten Untersuchung ein. Seine Methode ist die, daß er durch Heranziehung besonders charakteristischer Stellen, die Begriffsspuren der einzelnen Worte festzustellen sucht. Bei diesein Verfahren aber geräth inan leicht in die Gefahr, alle Nüaneen, welche in deur Zusammenhänge der ganzen Stelle zum Ausdruck kommen, in der znfällig gebrauchten. Vocabel zu eonceutriren, wahrend vielleicht in diesem bestimmten Zusammenhänge ein anderer Ausdruck ebenso gut hätte gebraucht werden können. Ter Vers, will z. B. zeigen, daß die Wurzel ahav auch die rückhaltslose Hingebung ausdrücke, welche der Liebende keine Mühe scheuend dem geliebten Gegenstände zuwende, und beruft sich hierfür auf l. M. 29, 20. Dort aber ist dieser Gedanke wohl der Sinn des ganzen Satzes, aber nicht in dem indifferenten und für alle Schattirungen der Liebe gleich gebräuchlichen Worte ahava ausgerückt. Im Allgemeinen aber sind die Begriffe richtig erfaßt und in ihren verschiedenen Bedeutungen dargestellt. Zuweilen nur hätte der Vollständigkeit wegen Einzelnes hinzngefügt werden müssen. So z. B. spricht der Verf. von dem Worte c]14sed, ohne darauf aufmerksam zu machen, daß dasselbe Jes. 40, lg die Bedeutung von obsn angenommen hat. Den Begriffsnnterschied dieser beiden Worte chesed und chen scheint uns der Verf. über- Haupt nicht klar erkannt zu haben. Für ihn äußert sich hier nur