Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über den Begriff der Liebe [Rezension]
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 562 (sequence 5)
- Language
- German
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562 Recensionen. die Beweisgründe ausgehen, in starren« Eigensinn ans seine intellektualen Anschauung pocht, wohin ihn« natiirlich Niencaild folgen kann, so Lernst Renan sich zuletzt auf eine gewisse uunenbare Stimmung, welche sich selbstverständlich jeder Kritik entzieht, da zu ihrer Nachempsindung wahrscheinlich ein besonderes christliches Organ gehört, welches der semitischen Race versagt geblieben ist. Einen wahrhaft erfreulichen Fortschritt in der Anerkennung des wirklichen historischen Sachverhalts bietet nun eine in der Virchow - Hotzendorff'schen Sammlung erschienene Arbeit von vr. Carl Abel unter den« oben angeführten Titel. Der Verfasser behandelt die von uns berührte Frage nur bei Gelegenheit einer allgemeineren Untersuchung, welche er über die Modificirung des Begriffs der Liebe in mehreren alten und neuen Sprachen anstellt. Wir wollen spater noch auf diese sprachliche Seite, soweit sie das Hebräische betrifft, zurückkommen, und gehen vorläufig nur auf die allgemeinen Resultate ein, welche sich dein Verfasser aus feiner Untersuchung ergeben'. Den« Verfasser dient als Material für seine Forschung das Sprachgnt der verschiedenen Völker, «velche er für seine Untersuchung in's Auge saßt. Er geht von dein Gedanken aus, ״daß die Worte einer Sprache die gebrauchlichsten und enipfundensten Gedanken eines Volkes ausdrückei«, daß sich in ihnen die wesentlichen Züge seiiles seelischen Seins in einem ächten und unzweifelhaften Abdruck wiedergeben, daß seine natürliche Anlage, feine Erlebnisse, seine Geschichte sich in diesen authentischen Zeugnissen spiegeln müssen." Dem Verfasser ist es also vorzüglich um die völkerpspchologische Erkenirtniß z>« thun, soweit sich dieselbe aus der Betrachtung des Sprachschatzes schöpfen läßt. Den Begriff der Liebe aber hat er für seine Untersnchung gewählt, «veil die verschiedenartige Gestaltung desselben in ben verschiedenen Sprachen den Geist der betreffenden Völker au« Treuesten und Tiefsten zu kennzeichnen geeignet ist. ״Eine so mächtige und doch so zarte Empfindung schildernd, gestatte!« sie einen tiefei« Einblick in das Herz derer, die sie geschaffen und gebrauche««." Den Verfasser leitet also bei seiner Untersuchung, wie «vir sehen, ««ur ein sprach»vissenschaftliches u««d psychologisches Interesse. Und auch die Ausivahl der Sprachen, «velche er für seine Forschung hervorzieht — lateinisch, englisch, hebräisch, russisch — wird nur von einem wisse««schaftlichen Gesichtspunkte aus getrof-