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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 12 · p. Seite 541

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 12
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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©atemton Ludwig ©teintjeim. 541 zu erklären, vielmehr mar es gerade umgekehrt, die peinliche Treue gegen die alte Satzung und der ehrliche Glaube an die Offenbarung, welche ihn, den Nationalisten, dazu bestimiute, nur das Gesetz als offenbart gelten zu lassen. Er mar so sehr frommer Jude alten Schlages, daß in seinem Naturell die Meinung nichts Sonderbares hat, Gott habe einzig mit des Ceremoniells willen am Siitai feinem Volke sich gezeigt. Aber was in ihm sich sonderbar verkettet, moderne Ausklärung und Offenbarungsglaube und was in seinem System nur lose, nur widerstrebend zusammenhielt, mußte natürlicherweise bei seinen Anhängern auseinauderfallen. Hingen doch diese nicht an seiner Individualität, sondern an seilten Meinungeit, und es ko>rnte ihnen nicht entgehen, daß nur seine persönliche Neigung das Band zwischen dem Judenthum und dent Nationalistmts hergestellt hat, daß er aber nur wenig gethan hatte, um feinen Neigungen mit Gründen zu Hülfe ztt kommen. So kam es, daß auf den Kreis, welcher sich um Mettdelsohn geschlossen hatte, sich kaum ein Funke jener heißen Liebe zum Judenthum verpflanzte, von welcher der große Deitker ist beseelt getvesen; wenn seine Freunde vont Jndeuthnm sich abwandten, so befolgten sie, es ist hart zu sagen, nur seilte Lehre, sein System mit Ausscheidung dessen, was nur den Werth individuellen Beliebens beanspruchen konnte, llnd wenn M. trotz seiner Denkkraft, trotz feinet־ Keuntniß, trotz seiner Liebe zum Judenthum der sinaittschen Offenbarung ihr bestes Theil raubte, so mcä das Selbstvertrauen des Rationalismus daran Schuld, der sich beimaß. Alles das durch natürliche Eingebung ztt besitzen, was nach der gewöhnlichen Annahme Gott am Sinai gelehrt hat. M. steckte zu tief in dent Gewebe des Rationalismus, war zu sehr Stintmführer der Tagesmeittung, um zu einer, aus dem Indenlhum selbst erwachsenen philosophischen Auffassung desselben zu gelangen. Der Vers, des Phaedon und der Morgenstunden hätte die Axt an sein eigenes System gelegt, wenn er zugegeben hätte, daß die Wahrheiten, die er in diesen Werken vortrug und bewies, ans übernatürlichen Wegen zu den Menschen gelangt sind. Dann wäre ja die Philosophie nichts anderes gewesen, als die gehörsame Magd der Theologie und im Grunde ohne besondern Nutzen, da sie längst Gewußtes nur wiederholte.

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