Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 540 (sequence 4)
- Language
- German
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54-0 Salomon Ludwig Steinheim. lichen Inhalt sollte eine Offenbarung haben, da wir zu allen den Wahrheiten, die zur menschlichen Glückseligkeit unentbehrlich sind, durch unsere Vernunft gelangen können? Mendelsohn versucht einen ganz verzweifelten Ausweg um den Konflikt mit der herkömmlichen Auffassung des Judenthnms zu verineiden, iubem er lehrt, Gott habe am Sinai nicht eine neue Wahrheit, sondern ein neues Gesetz den Menschen verkündet. Er verlegt sonach den Schwerpunkt des Judenthums in das Ceremoniell und kauin kann ein altpolnischer Rabbi, zu dein nie ein Strahl der Kultur gedrungen ist, diese Meinung greller anssprechen, als der Berliner Weltweise. Diese Auffassung jedoch hatte fast nur Berechtigung in der Individualität dieses Philosophen; er hing zu sehr am jüdischen Leben, um beit Konklusionen seines Rationalismus sich Hinzugeben; da er fest entschlossen war, das Judenthum nicht aufzugebeu, so formte er irgend eine Schablone, um sich dasselbe m seinem gedanklichen Systeme zurecht zu legen: wie wenig Halt seine Begründung der Offenbarung hatte, beweist Steiicheims Urtheil, der sich dieselbe als eine wissenschaftliche Ueberzeugung gar nicht denken und sonach sich das Festhalten am Gesetze in Praxis und Theorie nur aus dein Ehrgefühl desselben erkläre,r kann; Mendelsohn, so meinte er, stand eigentlich auf der Seite der Rationalisten, die mit der geoffenbarken Religion gebrochen hatten; aber er wollte sich von seinem Volke nicht trennen und je eifriger die staatlichen Gemalten zum Abfall lockten, nur so mehr habe er es für seine Pflicht gehalten, sich zu seinem Volke und dessen sonderbaren Bräuchen zu bekennen, da er den Verdacht scheute, daß äußere Bortheile ihn von seinen Staminesgenassen entfernt hätten. Steinheim erhebt den Menschen und läßt den Autor fallen und betrachtet die mendelsohn'sche Offenbarungslehre nur als ein Stück nobeln Jesuitismus, denn was könnte ihm, so fragt er, das Ceremoniell bedeutet haben, nachdem er die eigentliche Wahrheit des Judenthnms in sich selbst ohne Weiteres zu finden glaubt. Unseres Bedünkens haben wir kein Recht, in M's. wahre und offene Natur solch schlaue Kunststücke hineinzulegen, und wären diese auch noch so edel in ihren Zielen. M. war so mit ganzer Seele Jude und hielt so peinlich und gewissenhaft jeden Brauch, daß es nicht angeht, dies Alles für Maskerade