Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
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Salonwn Ludwig Stemheim. 589 reiche des praktischen Lebens herauszugreifen, in der Wahl eines Freundes nicht bestim men, wenn Jemand uns bewiese, der und der eigene sich am besten zu unserm Verkehr/sobald wir zu dem Betreffenden keine Neigun g haben, sobald unser Gemüth diesen Beweisen nicht zustimult, und wiederum hat noch Keiner bei denBeweisen des pythagoreischen Lehrsa tzcs sein Herz zu Rathe gezogen; nur könnenJemand die innigste Freundschaft zollen, ohne beweisen zu können, daß er ihrer werth ist, und obgleich sonach diese Freundschaft uns keineswegs so feststeht als der Lehrsatz des Pythagoras, ertrügen wir es dennoch mit großem Gleichmuts), ivenn Jemand diesen Satz widerlegte, während wir tief erschüttert würden, wenn Einer den Glauben an unfern Freund, der doch keineswegs auf so guten Gründen basirt, in uns erschütterte. Dem Gemüth kann und braucht nichts strikt bewiesen zu werden, ohne daß es darunr nöthig hat, unlogisch zu verfahren, ohne daß es sich darum in scharfen Widerspruch mit der Vernunft setzen wird. Oder vielmehr die Beweise für das Gemüth sind anderer Art, sind nicht mors geomelrico. Nur in Zeiten, wo die Philosophie die willenlose Sklavin der. Theologie war und ans Kommando bewies, was Hähern Orts verlangt wurde, und wiederum nur in einem Zeitalter, das sich mit Ostentation das der Aufklärung nannte, das den Verstand so sehr herausstrich, konnte es übersehen werden, daß für religiöse Ideen logische Beweise theils nicht genügen, theils nicht erforderlich sind, weil in der Sphäre des Gemüths das Uuvernünftige zwar gleichfalls keine Stätte findet, aber das Vernünftige in anderer Weise ernirt wird. Daß bei diesen rationalistischen Beweisen die Logik gerade keine glänzende Rolle spielte, daß eine große Portion Gutmüthigkeit nöthig ist, um sie gelten zu lassen, ist bekannt;und selbst Mendelsohn erfuhr für seinen vielgefeierten Phaedon den Spott Schillers in einem spitzen Epigramm; denn auch Mendelsohn gehörte zu dieser Schule und hielt für das Systeni des Monotheismus eine Offenbarung nicht für nothwendig. Ausdrücklich erkürt er die Kräfte der menschlichen Vernunft für hinreichend, um uns von den ewigen Wahrheiten zu überführen, die zur menschlicheil Glückseligkeit unentbehrlich sind. Gott hatte nicht nöthig, diese ihnen direkt zu offenbaren. Die natürlichste Schlußfolgerung nun ans diesem Satze wäre die gewesen, die Offenbarung ansznheben. Denn welchen wesent-