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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 12 · p. Seite 538

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 12
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 538 (sequence 2)
Language
German
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538 Salonimi Ludwig Stemheim. daß Keiner mehr denn er selbst dazn berufen schien, das Judenthmn philosophisch zn begründen, die Arbeit nicht nur anzufangen, sondern auch zn beenden. Und in der That war seine Wirksamkeit keine unfruchtbare, wie ein Blitz durchzuckte die Lehre der Trennung von Staat imb Kirche die gebildete deutsche Welt und setzte sie durch ihre Kühnheit in Erstaunen: dieses Thema, das jetzt unser ganzes politisches Leben ausfüllt, ist durch Mendelsohn dem deutschen Geiste zuerst näher gerückt worden und es ist dies ein Punkt, wo die aufklärende Macht dieses Philosophen gar nicht hoch genug geschützt werden kann; aber so glücklich Mendelsohn auf diesem. Außenmerk der Glaubensfeste gekämpft hat, die Feste selbst hat er nicht besonders glänzend vertheidigt, ja er hat die wichtigsten Bollwerke aus freien Stuckert geräumt. Und gerade weil er um die Ausbildnng der Zeitphilosophie sich so verdient gemacht hatte, weil er allzu fest verwebt war mit dem Jdeenkreise der Ratioualisten, hat er das Judenthum nicht in seinen Tiefen ergründet. Dem Rationalismus der Aufklärungsperiode des achtzehnten Jahrhunderts mar nämlich der Begriff der natürlichen Religion sehr gelärrsig. Die wichtigsten metaphysischen Wahrheiten des in der Bibel verkündeten Monotheismus schienen diesen Herolden der Aufklärung, nachdem sie dieselben dorther geholt hatten, so einleuchtend, daß sie glaubten, sie hätten sie auch aus dem eigenen Gedankenvorrath beziehen können, daß zur Erlangung dieser Sätze eine göttliche Offenbarung nicht nothmendig gewesen sei, daß das natürliche Licht der Vernunft dazn ausreiche. Es war eben wieder einmal die alte Geschichte vom Ei des Kolumbus, beim es hat ebensowenig eine besondere Schwierigkeit, neue Welttheile wie neue Ideen zum zweiten Mal zu entdecken. Nur nun diese Wahrheiten der natürlichen Religion bequem als Vernunftwahrheiten ausgeben zu können, wurden allerhand Beweise zusammengezimmert, und Wolf und seine Schule bewies Gott und die Seele haarscharf inor« geoinetrico. Aber die religiösen Ideen haben das Eigenthümliche, daß, gesetzt sie könnten strikt bewiesen werden, es gar nichts nützt, sie nur zu wissen, daß sie geglaubt, daß sie mit dem Gemüthe erfaßt werden müssen, weil sie eben erst in zweiter Reihe Objekte unseres Verstandes sind. Es würde uns, um ein Beispiel aus einem verwandten Be-

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